TÄGLICHE NEWS FÜR DAS MANAGEMENT VON PFLEGE UND WOHNEN IM ALTER

14. September 2022 | 18:26 Uhr
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Betreute Seniorenwohnungen gefragt wie nie

Die Nachfrage für Betreutes Wohnen im Alter ist unverändert hoch und wächst weiter. Die Auslastung der Immobilien liegt bei 98 Prozent, zeigt die Studie "Betreutes Seniorenwohnen 2022", die diese Woche vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und der Bank für Sozialwirtschaft (BFS) präsentiert wurde. Rund die Hälfte der Anbieter sieht Betreutes Wohnen als eine Alternative zum Pflegeheim.

Seniorenwohnen Alte Frau und Tochter auf Balkon iStock Piksel.jpg

Die Nachfrage nach Betreutem Wohnen ist ungebrochen hoch

"Die Nachfrage nach Angeboten des Betreuten Wohnens ist ungebrochen hoch", sagt Ursula Kremer-Preiß vom KDA und Co-Autorin der Studie. Sie sei in den vergangenen Jahren sogar deutlich gestiegen. Die Auslastung der Immobilien liege bei 98 Prozent. Wer ins Betreute Wohnen umziehen wolle, müsse im Durchschnitt sieben Monate darauf warten.

"Die Ergebnisse der Studie zeigen aber auch, dass in einigen Regionen bereits eine Nachfragesättigung vorliegt", so Kremer-Preiß. Das sagten immerhin 8,5 Prozent der Träger. "Weitere Investitionen in dieses Marktsegment bedürfen in Zukunft differenzierter Markt- und Regionalanalysen", so ein Fazit der Studie.

Großer Sanierungsbedarf voraus

Das Wohnangebot besteht hauptsächlich aus 2-Zimmer-Wohnungen, die etwa die Hälfte des Marktes ausmachen und im Durchschnitt 54 Quadratmeter groß sind. 14 Prozent sind 1,5-Zimmer-Wohnungen, 29 Prozent 1-Zimmer-Wohnungen. Im Vergleich zur letzten Umfrage 2018 sei ein Trend zu kleineren Wohnungen zu erkennen, sagt Britta Klemm von der BFS.

"57 Prozent der Immobilien sind älter als 20 Jahre und werden in den nächsten Jahren sanierungsbedürftig", so die Co-Autorin der Studie. In 30 Prozent der Fälle liege die letzte Renovierung bereits mehr als zehn Jahre zurück. "Dies wird einen hohen Finanzierungsbedarf nach sich ziehen, der sich in steigenden Mieten niederschlagen wird", ist sie sicher.

Mietpreise dürften deutlich steigen

Aktuell sei die Bandbreite der Kaltmieten sehr groß. Sie reiche von 4,20 Euro bis 25 Euro pro Quadratmeter. "Im Durchschnitt müssen die Mieter für eine gängige Wohnungsgröße von 54 Quadratmetern heute rund 765 Euro monatlich für diese Kosten aufwenden", sagt Klemm. Hinzu kämen die Kosten für weitere individuell abrechenbare Wahlleistungen. Klar sei, dass das Betreute Wohnen in den nächsten Jahren deutlich teurer werde. Schon jetzt bezögen 23 Prozent der Bewohner Sozialhilfe. Dieser Anteil dürfte weiter steigen.

Im Vergleich zur letzten Untersuchung ist die Mieterschaft des Betreuten Wohnens älter und pflegebedürftiger geworden. Mehr als die Hälfte ist 80 Jahre und älter, jeder Zehnte jenseits der 90 Jahre. Jeder zweite Bewohner hat einen eingestuften Pflegebedarf, jeder zehnte eine Demenzdiagnose.

Betreutes Wohnen als Alternative zum Pflegeheim

Betreute Wohnungen bieten eine ähnlich hohe Versorgungssicherheit wie eine stationäre Pflegeeinrichtung und sind daher eine Alternative zum Heim, sagen mehr als 46 Prozent der Betreiber, die an der Studie teilgenommen haben. Sie halten zahlreiche Wahlleistungen vor, wie hauswirtschaftliche Hilfen (88%) oder Mittagstisch (79%), aber auch ambulante Pflegeleistungen (75%), 24-Stunden-Betreuung (64%) oder Tagespflege (48%).

Als die größten Herausforderungen sehen die Anbieter von Betreutem Wohnen die Kostenentwicklung gleichauf mit der bedarfsgerechten Versorgung von demenzkranken Bewohnern mit jeweils 72 Prozent Nennungen. Personalmangel wird mit 62 Prozent an dritter Stelle genannt. Den Rückgang familiärer Unterstützung für die Bewohner betrachten mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer skeptisch. Jeder Dritte stuft darüber hinaus die rechtlichen Vorgaben als Herausforderungen ein, die die Planungssicherheit gefährden könnten.

Antworten von 500 Trägern ausgewertet

Für die Studie haben BFS und KDA im März mehrere tausend Betreiber von Betreutem Seniorenwohnen angeschrieben. Rund 500 Akteure haben geantwortet. Die Umfrage sei zwar nicht repräsentativ, aber dennoch aussagekräftig. Die Teilnehmer verfügten aber über rund 1.600 Wohnanlagen mit 60.000 Einheiten. Damit decke die Studie knapp ein Viertel der Standorte für Betreutes Wohnen ab.

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