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23. April 2026 | 07:00 Uhr
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DIN-Norm verhindert digitale Rufanlagen in Pflegeheimen

In Schweizer Pflegeheimen sind funkbasierte Rufsysteme längst Standard, deutsche Einrichtungen müssen jedoch weiterhin auf die langsamere und teurere kabelgebundene Lichtrufanlage setzen. Grund ist laut einem Beitrag des ZDF-Magazins Frontal die Norm 0834-1 des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE), die digitale Lösungen faktisch ausschließt. Kritiker sprechen von einem Kartell etablierter Hersteller.

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Schließt eine DIN-Norm für Rufanlagen in Pflegeheimen Wettbewerber vom Markt aus?

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Der VDE ist ein technisch-wissenschaftlicher Verband, der in Deutschland Normen für die Elektrotechnik erarbeitet und Produkte zertifiziert. Seine Norm 0834-1 regelt Rufanlagen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Im Vorwort der Norm heißt es ausdrücklich, drahtlose Übertragungsmedien seien zulässig. Punkt 6.2.2 schließt jedoch aus, dass Übertragungswege anderer Anlagen mit genutzt werden, was bei Funksystemen aber technisch unvermeidlich ist, da keine exklusiven Frequenzen für Gesundheitseinrichtungen existieren. Frontal berichtet, dass der VDE bislang keine einzige rein digitale Rufanlage in Deutschland zertifiziert habe.

Während Pflegekräfte in der Schweiz Notrufe direkt aufs Smartphone erhalten und laut zitierten Studien bis zu sechs Minuten pro Vorgang sparen, mussten etwa im Seniorenheim Haus Maria Regina im Münsterland trotz Modernisierung vor zwei Jahren hunderte Meter Kabel verlegt werden. Andreas Wedeking vom Fachverband Altenhilfe der Caritas erklärt im Beitrag, Heimaufsichten erteilten ohne Normerfüllung keine Betriebsgenehmigung.

Kartellverdacht gegen das Normungsgremium

Dieter Martin, Hersteller digitaler Rufsysteme, hat laut Frontal Beschwerde beim Bundeskartellamt eingelegt. Er wirft dem zuständigen Unterkomitee UK 713.2 der Deutschen Kommission Elektrotechnik (DKE) vor, seit 25 Jahren mehrheitlich von Herstellern herkömmlicher Lichtrufsysteme besetzt zu sein. Frontal liegen Berichte aus Sitzungen 2024 vor: Von 18 stimmberechtigten Mitgliedern hätten mindestens zwölf beruflich mit klassischen Lichtrufanlagen zu tun. 

Der VDE weist die Vorwürfe zurück, die Beteiligten handelten als Fachexperten. Zu inhaltlichen Details äußere man sich wegen eines möglichen kartellrechtlichen Verfahrens nicht. Bei einem Bund-Länder-Treffen im Dezember 2025 verständigten sich Bundesregierung und Länderchefs laut Frontal auf eine Modernisierungsagenda. Bis Sommer soll der Einfluss technischer Normen wie der VDE 0834-1 überprüft werden. Das Ergebnis ist offen.

Pascal Brückmann

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