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14. Februar 2022 | 16:54 Uhr
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Korian-Chef sieht Unterversorgung durch Pflege-Impfpflicht

"Wenn Gesundheitsämter Beschäftigungsverbote aussprechen, führt das zu einer Unterversorgung, vielleicht nicht flächendeckend, aber punktuell – in den Einrichtungen und in der ambulanten Pflege", sagt Dr. Marc-Alexander Burmeister (Foto), Chef von Korian, dem größten Betreiber von Pflegeeinrichtungen in Deutschland, im Interview. Rund 750 Korian-Mitarbeiter sind noch nicht geimpft. Wenn alle nicht mehr arbeiten dürften, komme es zu Aufnahmestopps.

Burmeister Marc-Alexander CEO Korian Deutschland Foto Korian

Korian-CEO Dr. Marc-Alexander Burmeister erwartet Aufnahmestopps in einzelnen Einrichtungen

"Das ist nicht zu Ende gedacht", so Burmeister zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Wir können Ungeimpfte nicht mehr einstellen, allein das ist bei einer Fluktuation von rund 20 Prozent in der Pflege schon ein Problem." Wenn alle Einrichtungen am 16. März ihre ungeimpften Beschäftigten melden würden, kämen ein paar Tausend zusammen. Das sei für die Behörden nicht zu schaffen. "Bis das Gesundheitsamt antwortet, kann es Wochen oder auch Monate dauern", sagt der Korian-Chef. So lange werde ein Ungeimpfter dann weiterarbeiten.

Laut Burmeister sind bei Korian in Deutschland im Durchschnitt etwa drei Prozent der Beschäftigten nicht geimpft, in manchen Einrichtungen bis 20 Prozent. Bei 24.000 Mitarbeitern wären das rund 750 ohne Corona-Impfung. Burmeister: "Wenn die alle ein Beschäftigungsverbot erhalten, werden wir die Versorgung nicht aufrechterhalten können, weil wir die gesetzlich vorgegebenen Quoten für Fachkräfte nicht erfüllen können." Dann werde es in einzelnen Häusern Aufnahmestopps geben.

Seit Jahresbeginn versuchten die Leiter von Einrichtungen und Pflegediensten diese Kollegen in persönlichen Gesprächen von der Impfung zu überzeugen. Auch Burmeister rede mit Impfverweigerern. "Dabei sehe ich echte Ängste", sagt er. Anfeindungen gegen Ungeimpfte habe es in seinen Einrichtungen bisher nicht gegeben. "Wir können doch Menschen, mit denen wir Jahre lang gut zusammengearbeitet haben, nicht kriminalisieren."

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