Pflege Butler und Advita sind Marktführer in der Tagespflege
Pflege Butler steht mit 2.178 Plätzen an erster Stelle des Tagespflege-Rankings des Datendienstleisters Pflegemarkt, Advita mit 2.071 Plätzen an zweiter Stelle. Die danach folgenden Betreiber der TOP-5-Liste haben deutlich weniger Plätze. Grund für die auffällige Lücke ist die besondere Angebotsstruktur der beiden Betreiber an der Spitze.
Pflege Butler
Die Tagespflege von Pflege Butler in Betzdorf im Westerwald hat 130 Plätze
Die Top-5-Betreiber haben einen Anteil von 5,7 Prozent am Gesamtmarkt der Tagespflegen. Damit ist er im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Die Johanniter auf Position drei haben 1.211 Tagespflegeplätze, Aiutanda 740 und der ASB Niedersachsen 635. Die große Lücke unter den Top-5-Betreibern von Tagespflege hat mit einer anderen Herangehensweise von Pflege Butler und Advita an diese Versorgungsform zu tun.
So betreibt Pflege Butler keine solitären Tagespflegen, sondern integriert sie in seine Seniorenzentren. Die Tagespflege habe deshalb in der Regel in etwa so viele Plätze, wie es Wohnungen im ambulant betreuten Seniorenzentrum gibt. Die Erfahrung zeigt, so Pflege-Butler-Geschäftsführer Cito Aufenacker, dass die meisten Bewohner sich für den Besuch der Tagespflege entscheiden, wenn sie nur einige Schritte entfernt vom Zuhause liegt.
Pflege Butler plant auch dieses Jahr an einem Standort über 100 Tagespflegeplätze
Dieser Ansatz erklärt das starke Wachstum des Anbieters in der Tagespflege. So kamen voriges Jahr auf einen Schlag 130 Tagespflegeplätze in einer neuen Wohnanlage mit 132 betreuten Wohnungen in Betzdorf im Westerwald hinzu. Auch nahe Oldenburg, in Wiefelstede, wird Pflege Butler bis 2028 auf zwei Grundstücken Wohnanlagen mit jeweils 60 Tagespflegeplätzen bauen.
Ähnlich wie Pflege Butler geht es Advita an. "Wir bieten die gesamte Versorgungskette an: ambulante Pflege und als additive Angebote Betreutes Wohnen und die Tagespflege, wenn die ambulante Pflege allein nicht ausreichen sollte. Diese Logik unserer Versorgungskette ist der eine Grund, weshalb die Tagespflege bei uns prominenter vertreten ist als bei vielen anderen Pflegeunternehmen", sagte CEO Ralf Stähler in einem Interview mit Care vor9.
Advita-CEO-Stähler: Tagespflege läuft im Osten besser als im Westen
Das Advita-Modell läuft aber im Osten besser als im Westen Deutschlands. Stähler erklärt das damit, dass die Versorgung von Pflegebedürftigen im Westen eher eine Entweder-Oder-Frage sei: Entweder der Pflegebedürftige kann mit ambulanter Pflege noch zu Hause leben oder die Familie entscheidet – sollte sich sein Zustand verschlechtern –, dass er ins Heim kommt. Das habe mit der besseren Vermögenssituation im Westen zu tun. Im Osten würden die Familien hingegen eher die kostengünstigere Tagespflege wählen und einen Teil der Versorgung selbst übernehmen.
Insgesamt stellt Pflegemarkt.com eine leichte Stagnation im Tagespflegemarkt fest: Es habe 2025 weniger Neugründungen gegeben, auch sei die Zahl der Standorte, die sich in Bau und Planung befinden, rückläufig.
Tagespflegen treffen die höheren Personal- und Sachkosten besonders hart
Das liege vor allem an den steigenden Gehältern und Sachkosten in der Pflege, sagt Jan Grabow, Geschäftsführender Partner beim Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen Curacon. Die Zuschüsse der Pflegekassen könnten mit den verteuerten Entgelten, die sich daraus ergeben, nicht Schritt halten. "So schränken die Pflegebedürftigen die Inanspruchnahme von Pflegeleistungen ein. Und anders als im stationären Bereich, wo die Pflegebedürftigen keine freie Auswahl haben, ob und in welchem Umfang Leistungen in Anspruch genommen werden, sind die Pflegebedürftigen in der ambulanten Versorgung nicht bereit, höhere Kostenbelastungen aus wachsenden Eigenanteilen zu tragen." Die Anbieter in der ambulanten Versorgung gerieten also in zweifacher Hinsicht unter Druck, meint der Altenpflege-Experte: Sie haben wegen des Personalmangels mit Leistungseinschränkungen zu kämpfen und darüber hinaus mit der Tatsache, dass Pflegebedürftige ambulante Leistungen wegen der Verteuerung weniger in Anspruch nehmen.
Kirsten Gaede