Pflegekräftemangel erhöht Sterblichkeit in Kliniken
In den vergangenen 15 Jahren sind viele deutsche Pflegefachkräfte im Südwesten von Baden-Württemberg, etwa aus dem Breisgau, in die Schweiz abgewandert. Das hat die Sterblichkeit in den grenznahen Krankenhäusern deutlich erhöht, wie eine Studie des ZEW Mannheim und des Ifo Instituts zeigt. Besonders betroffen sind ältere Patienten und Notfälle. Der Befund unterstreicht, wie zentral die Arbeit von Pflegefachkräften für die Gesundheitsversorgung ist.
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Bei Patienten mit Herzinfarkt stieg die Sterblichkeit um fast 18 Prozent
Der Mangel an Pflegefachkräften hat messbare Folgen für die Gesundheit von Patienten. In Regionen nahe der Schweizer Grenze stieg die Sterblichkeit in Krankenhäusern um 4,4 Prozent, nachdem zahlreiche Pflegekräfte in die Schweiz abgewandert waren. Das zeigt eine gemeinsame Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Ifo Instituts, einem unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitut mit Sitz in München.
Besonders stark betroffen sind ältere Menschen. Bei ihnen erhöhte sich die Sterberate deutlich, ebenso bei Notfällen. "Der Pflegekräftemangel wirkte sich vor allem auf ältere Patientinnen und Patienten aus", sagt Studienautor Oliver Schlenker vom ZEW. In der Folge stagnierte die Lebenserwartung in den betroffenen Grenzregionen, während sie im übrigen Deutschland weiter anstieg.
Sterblichkeit bei Herzinfarkten stieg um fast 18 Prozent
Im Schnitt verloren Krankenhäuser in Grenznähe zur Schweiz rund zwölf Prozent ihres Pflegepersonals im Vergleich zu ähnlichen Regionen im Landesinneren. Jeder weitere Prozentpunkt Personalrückgang senkte die Pflegeintensität pro Patient und erhöhte zugleich die Sterbewahrscheinlichkeit. Besonders dramatisch fiel der Effekt bei schweren Erkrankungen aus: Bei Sepsis stieg die Sterblichkeit um 11,6 Prozent, bei Herzinfarkten um 17,7 Prozent.
Auslöser der Entwicklung war ab 2011 die zunehmende Abwanderung deutscher Pflegefachkräfte in die Schweiz. Ein starker Franken, höhere Löhne und eine hohe Nachfrage trafen auf stagnierende Tariflöhne in deutschen Krankenhäusern. Viele Kliniken reagierten mit einer Priorisierung von Behandlungen und reduzierten nicht dringliche Eingriffe.
Auch wenn es um den Personalmangel in Krankenhäusern geht, ist die Analyse für die Altenpflege relevant: Zeigt sie doch, dass die Versorgung älterer Menschen ohne ausreichend qualifizierte Pflegefachkräfte unter Druck gerät.