News für das Pflegemanagement

28.000 Stellen durch Normalisierung des Krankenstands

Bis zu 39 Krankheitstage kommen in der Altenpflege pro Beschäftigtem und Jahr zusammen, im Durchschnitt aller Berufe hingegen sind es mit rund 20 viel weniger. Joachim Görtz, beim Trägerverband BPA für Prävention zuständig, hat ausgerechnet, was eine Annäherung an diesen Durchschnitt bringen würde: Bundesweit könnten rechnerisch Arbeitskapazitäten von bis zu 28.000 Vollzeitstellen gewonnen werden.

Allein in Bayern und Nordrhein-Westfalen summiert sich das Potenzial nach Berechnungen des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) auf rund 15.000 Vollzeitäquivalente. Görtz hat dafür die Zahl der Pflegekräfte und ihre zusätzlichen Ausfalltage gegenüber dem Durchschnitt aller Berufe auf die jährliche Arbeitszeit umgerechnet.

Dabei geht es nicht um einen Krankenstand von null. Die Rechnung unterstellt lediglich, dass Beschäftigte in der Altenpflege ungefähr so häufig fehlen wie Arbeitnehmer im Durchschnitt. Bislang ist davon wenig zu sehen. „Die Pflege hat ihren Abstand in den letzten Jahren gegenüber dem Durchschnitt über die Branchen hinweg ausgebaut“, sagt Görtz. Hinweise auf eine Trendwende gebe es bislang nicht.

Die 28.000 Vollzeitäquivalente sind auch keine neuen Pflegekräfte. Die Zahl beschreibt die zusätzliche Arbeitskapazität, die rechnerisch zur Verfügung stünde, wenn sich die Fehlzeiten entsprechend reduzieren ließen.

Prävention heißt ran an die Strukturen

Für Görtz führt der Weg dorthin nicht in erster Linie über Rückenschule, Entspannungskurse oder den sprichwörtlichen Obstkorb. „Ein Stressmanagementkurs bewirkt wenig, wenn Mitarbeiter im Alltag massiv unter Druck stehen“, sagt er. Arbeitgeber müssten an die Strukturen ran.

Dazu gehören vor allem verlässliche Dienstpläne und ein funktionierendes Ausfallmanagement. „Wer frei hat, soll auch freihaben“, so Görtz. Springerstrukturen können Dienstpläne stabilisieren und zugleich den Einsatz von Leiharbeit reduzieren.

Auch Digitalisierung kann Teil der Prävention sein, wenn sie Dokumentation, Kommunikation und andere Arbeitsabläufe tatsächlich erleichtert. Für Görtz liegt darin neben der Gesundheit der Beschäftigten ein handfester betriebswirtschaftlicher Effekt: Weniger Krankheitstage bedeuten mehr verfügbare Arbeitszeit, weniger kurzfristige Personalausfälle und potenziell weniger Leiharbeit.

Joachim Görtz referiert am Mittwoch, 23. September, auch auf der Veranstaltung "BGM und trotzdem alle krank" des Präventionsnetzwerks Nord im Medical Park Hannover. Tickets kosten 25 Euro, Partner sind die Berufsgenossenschaft BGW, der Verband der Ersatzkassen (Vdek) und der BPA.

Kirsten Gaede