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Coreh mit drei Übernahmen in nur fünf Monaten

Die Coreh Care Holding übernimmt vier Pflegeheime und weitere Einrichtungen in Niedersachsen nahe Bremen mit rund 350 Mitarbeitern. Es ist bereits die dritte Übernahme des Münchner Investors seit Juni. Und die nächste steht bevor: Noch in diesem Jahr werde Coreh eine weitere Transaktion bekannt geben, kündigt Gründer Jacob Hetzel (Foto) gegenüber Care vor9 an.

Mit den Evangelischen Diensten Lilienthal (EDL) und deren Tochtergesellschaft Parkstift Osterholz übernimmt Coreh Care eine ganze Gruppe von Pflege- und Bildungseinrichtungen aus der Insolvenz in Eigenverwaltung. Zum Paket gehören vier Pflegeheime in Niedersachsen, ein ambulanter Pflegedienst, eine Tagespflege in Ritterhude sowie eine Schule für Heilerziehungspflege, Podologie und Ergotherapie. Hinzu kommen Angebote im Seniorenwohnen.

Der Kaufvertrag wurde Ende Oktober unterzeichnet, die Übertragung ist zum 1. Januar 2027 geplant. Alle rund 350 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Auch die bisherigen Geschäftsführer Henrik Schwarz und Torsten Wieting bleiben an Bord.

Lilienthal wird Ausgangspunkt für Expansion im Norden

Die Übernahme markiert einen geografischen Kurswechsel. Noch im Juni hatte Coreh-Gründer und Managing Partner Jacob Hetzel im Interview mit Care vor9 erklärt, zunächst vor allem in Bayern und Süddeutschland wachsen zu wollen. Dass Coreh nun in Niedersachsen einsteigt, begründet Hetzel mit der Struktur des Unternehmens. Die Evangelischen Dienste Lilienthal seien keine verstreuten Einzelstandorte, sondern ein regional zusammenhängender Verbund mit eigener Verwaltung und erfahrenen Führungskräften. Die Kombination aus stationärer und ambulanter Pflege, Tagespflege, Seniorenwohnen und Ausbildung sei für Coreh besonders interessant.

"Entscheidend ist für uns nicht die Grenze eines Bundeslands, sondern ob wir eine regional schlüssige Plattform aufbauen und operativ einen echten Mehrwert leisten können", sagt Hetzel gegenüber Care vor9. Und er kündigt an: "Wir sehen die EDL als unseren Startpunkt für die weitere Expansion im Norden."

Innerhalb von etwa drei Jahren soll Coreh auf 20 Betriebe wachsen

Das Tempo ist hoch. Erst im Juni hatte Coreh mit dem insolventen Birkenhof im bayerischen Erharting seine erste Pflegeeinrichtung übernommen. Im Oktober folgte das Pflege- und Therapiezentrum Bayerisch Gmain mit zwei Standorten und rund 240 Mitarbeitern. Mit Lilienthal kommt nun die dritte Transaktion innerhalb weniger Monate hinzu.

Dabei soll es 2026 nicht bleiben. "Wir haben eine gut gefüllte Pipeline und führen fortlaufend Gespräche zu weiteren Möglichkeiten und werden dieses Jahr auch noch eine weitere Transaktion verkünden", sagt Hetzel. Am langfristigen Ziel hält er fest: Innerhalb von etwa drei Jahren soll Coreh auf 15 bis 20 Betriebe wachsen. Diese Größenordnung sei notwendig, um zentrale Unterstützungsstrukturen wirtschaftlich betreiben zu können. Eine darüber hinausgehende Expansion schließt Hetzel nicht aus, sofern sich geeignete Übernahmegelegenheiten ergeben.

Mehr als 100 Millionen Euro für Coreh aus Österreich

Finanziell unterstützt wird Coreh von der Beteiligungsgesellschaft Invest AG, eine der größten Private-Equity-Investoren Österreichs. Gemeinsam mit Hetzel will sie mehr als 100 Millionen Euro in den Aufbau einer deutschen Pflege- und Gesundheitsgruppe investieren.

Coreh konzentriert sich bislang auf wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen. Alle drei bisherigen Übernahmen stammen aus Insolvenzverfahren. Schon im Juni hatte Hetzel im Interview mit Care vor9 erklärt, dass gerade in solchen Situationen durch bessere Finanzierung, Organisation und Verwaltung deutliche Verbesserungen möglich seien.

Aufgaben wie Personalmanagement, Abrechnung und Qualitätsmanagement werden an den Coreh-Standorten zentral laufen. Die Verantwortung für den Pflegebetrieb soll dagegen bei den Führungskräften vor Ort bleiben. "Wir wollen nicht wahllos Häuser über ganz Deutschland verteilen, sondern dort Verantwortung übernehmen, wo wir langfristig regionale Strukturen stärken können", sagt Hetzel. Mit Lilienthal erhält Coreh dafür erstmals eine Plattform außerhalb Süddeutschlands.

Kirsten Gaede