News für das Pflegemanagement

Mehr als die Hälfte der Pflegeanbieter schränkt Leistungen ein

Gut 54 Prozent der Pflegeanbieter mussten in den vergangenen sechs Monaten Leistungen wegen Personalmangels einschränken. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege (Devap) unter 244 Trägern. Zudem berichten 63 Prozent über ausstehende Zahlungen der Sozialhilfeträger. Devap-Vorstandsmitglied Anna Leonhardi (Foto) warnt vor wachsenden Versorgungslücken.

Die Personalnot führt dazu, dass stationäre Pflegeplätze trotz Nachfrage unbelegt bleiben und ambulante Dienste Anfragen ablehnen müssen. Nach Einschätzung des Devap hat sich diese Entwicklung in den vergangenen vier Jahren verfestigt. Die Umfrage umfasst Träger der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege.

Außenstände gefährden die wirtschaftliche Stabilität

Neben dem Personalmangel belasten ausstehende Zahlungen der Sozialhilfeträger die Einrichtungen. 62,7 Prozent der Befragten berichten von Außenständen und langen Wartezeiten. Bei mehr als einem Drittel führen diese bereits zu einer wirtschaftlichen Schieflage.

Besonders skeptisch blicken ambulante Anbieter auf das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG). Von den befragten ambulanten Trägern erwarten fast 98 Prozent Auswirkungen der in der Umfrage beschriebenen Reformmaßnahmen. 58 Prozent rechnen sogar mit Umsatzeinbußen von mehr als 15 Prozent. Dabei handelt es sich um Erwartungen der Befragten, nicht um bereits eingetretene Verluste.

DEVAP fordert Rückzahlung der Corona-Aufwendungen

Angesichts der Ergebnisse fordert der Verband einen verbindlichen Stufenplan zur Finanz- und Strukturreform der Pflegeversicherung. Die Pflegestrukturkommission brauche dafür realistische Fristen und eine stärkere Einbindung der Pflegepraxis. Kurzfristig könnten nach Ansicht des Devap die Rückzahlung der Corona-Aufwendungen und ein Finanzausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung helfen.

Das PNOG befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren. Die von den ambulanten Trägern befürchteten Folgen hängen daher auch davon ab, welche Regelungen am Ende beschlossen werden.