Mehr Umsatz bedeutet in der Altenpflege nicht automatisch mehr wirtschaftlichen Spielraum. Das zeigt die aktuelle Branchenanalyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Curacon. Sie basiert auf Daten aus Prüfungen bei mehr als 2.000 Mandanten der Gesundheits- und Sozialwirtschaft sowie veröffentlichten Kennzahlen weiterer Einrichtungen. In die branchenspezifischen Auswertungen fließen rund 800 aktuelle Jahresabschlüsse ein. Trotz verbesserter Ertragslage schrieben 2025 noch 26 Prozent der stationären Einrichtungen und 17 Prozent der ambulanten Dienste rote Zahlen.
Höhere Pflegesätze treiben die Umsätze
In der stationären Altenpflege stiegen die Umsätze um 6,5 Prozent, nach 10,9 Prozent im Vorjahr. Das Wachstum beruhte vor allem auf gestiegenen Vergütungen und einer hohen Auslastung. Die Zahl der belegten Pflegeplätze blieb dagegen nahezu unverändert.
Die operative Gewinnmarge, die sogenannte Ebit-Marge, erhöhte sich von einem auf 1,5 Prozent. Das bedeutet: Von 100 Euro Umsatz blieben vor Zinsen und Steuern rechnerisch nur 1,50 Euro übrig. Das mediane Betriebsergebnis je Pflegeplatz verbesserte sich auf 846 Euro, lag damit aber weiterhin unter dem Niveau von 2022.
Für stationäre Betreiber bleibt der finanzielle Spielraum also eng. Sie müssen Gebäude unterhalten, Personal vorhalten und in Digitalisierung sowie Modernisierung investieren. Gleichzeitig lassen sich ihre festen Kapazitäten nur begrenzt an Veränderungen der Nachfrage anpassen.
Ambulante Dienste wirtschaftlich besser aufgestellt
Die ambulante Altenpflege steigerte ihre Umsätze 2025 um 5,4 Prozent. Die Ebit-Marge erreichte einschließlich Fördermitteln 3,5 Prozent. Neben höheren Vergütungssätzen trugen eine verbesserte Tourenproduktivität und höhere Umsätze je Vollkraft zur positiven Entwicklung bei. Die Personal- und Materialaufwandsquote sank auf 81,8 Prozent.
Allerdings hängt der wirtschaftliche Erfolg ambulanter Dienste stark von einer effizienten Touren- und Einsatzplanung ab. Personalengpässe, lange Fahrzeiten und eine geringe regionale Nachfrage können die Ergebnisse schnell belasten.
Pflegereform könnte Unterschiede verstärken
Auch die geplante Pflegereform eröffnet beiden Bereichen unterschiedliche Perspektiven. Der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sieht eine Weiterentwicklung ambulanter Leistungen, flexiblere Versorgungsmodelle und neue Regelungen für gemeinschaftliche Wohnformen vor. Davon könnten insbesondere Anbieter profitieren, die verschiedene ambulante und teilstationäre Leistungen miteinander verbinden.
Stationäre Träger stehen dagegen vor der Frage, wie sie ihre bestehenden Gebäude und Kapazitäten künftig wirtschaftlich nutzen können. Neue Wohnformen und ergänzende ambulante Angebote bieten Entwicklungsmöglichkeiten, erhöhen aber auch die organisatorischen Anforderungen. Zudem könnten neue Wohnformen klassische Pflegeheimplätze teilweise ersetzen.
Curacon sieht deshalb unterschiedliche Aufgaben für die Betreiber. Defizitäre Einrichtungen müssten zunächst ihr Geschäftsmodell stabilisieren. Wirtschaftlich stärkere Träger sollten ihre Erträge nutzen, um durch Digitalisierung, Spezialisierung oder Wachstum zukunftsfähig zu bleiben, empfiehlt Curacon. Begrenzte Vergütungssteigerungen könnten den finanziellen Spielraum künftig allerdings erneut einengen.
Der Download-Link zur Curacon-Analyse "Gesundheits- und Sozialwirtschaft: Struktureller Wandel – Wirtschaftliche Entwicklungen und Auswirkungen aktueller Reform auf die Leistungserbringer" kann auf der Website des Wirtschaftsprüfers angefordert werden.
