News für das Pflegemanagement

Pflegekräfte sollen Medizinischen Dienst entlasten

Die Medizinischen Dienste kommen bei der Begutachtung allmählich an ihre Grenzen. Auch bleibt das Potenzial der erhobenen Daten weitgehend ungenutzt. Ein Forschungsprojekt unter Leitung des Medizinischen Dienstes Bund soll deshalb das Verfahren verbessern. Untersucht wird unter anderem, ob Pflegefachkräfte aus der Versorgung bei Begutachtungen mitwirken können.

Jährlich finden in Deutschland mehr als zwei Millionen Begutachtungen zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit statt. Die Zahl der Anträge übersteigt dabei häufig die Kapazitäten. Im Forschungsprojekt Meet untersuchen der Medizinische Dienst Bund, die Hochschule Osnabrück und weitere Partner deshalb, wie sich das Verfahren verbessern lässt.

Eine Möglichkeit ist, Pflegefachkräfte stärker einzubeziehen, die bereits Kontakt zu den Betroffenen haben. Sie kennen deren Lebensumstände und können den Unterstützungsbedarf einschätzen. Allerdings sind viele Pflegekräfte selbst stark belastet. Das Projekt soll deshalb klären, unter welchen Bedingungen eine Beteiligung sinnvoll und praktikabel wäre und wie die Fachkräfte dazu stehen.

Begutachtung soll mehr leisten als Pflegegrad bestimmen

Ein weiterer Schwerpunkt ist die bessere Nutzung der erhobenen Daten. Bislang dient die Begutachtung vor allem dazu, einen Pflegegrad festzustellen. Künftig könnten die Informationen auch helfen, frühzeitig Beratungsbedarf zu erkennen und passende Unterstützung zu vermitteln.

"Die Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit ist ein zentraler Baustein im deutschen Pflegesystem. Allerdings stoßen die vorhandenen Kapazitäten an Grenzen und zugleich bietet das Verfahren ungenutztes Potenzial", sagt Pflegewissenschaftler Andreas Büscher von der Hochschule Osnabrück. Er nennt als Beispiele überforderte Angehörige oder Haushalte in schwierigen sozialen Verhältnissen. Solche Situationen könnten schon die MD-Begutachter erkennen, um rechtzeitig Unterstützung in die Wege zu leiten.

Bis März 2028 soll es Handlungsempfehlungen geben

Büscher will mit dem Projekt vor allem die häusliche Versorgung stärken. Rund 85 Prozent der Pflegebedürftigen würden zu Hause versorgt. Deshalb müsse die Begutachtung stärker darauf ausgerichtet werden, diese Versorgung langfristig zu sichern.

Bis März 2028 soll es konkrete Handlungsempfehlungen geben. An Meet sind neben dem Medizinischen Dienst Bund die Hochschule Osnabrück, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die Interdisziplinäre Care Forschung und Medizinische Dienste der Bundesländer beteiligt.