Allein die Ermittler der AOK Nord West, die 27 Millionen Mitglieder hat, deckten 2020 und 2021 insgesamt 1026 Fälle von Falschbrechnungen auf. Daraus resultierten Rückforderungen von über zwei Millionen Euro. Mit 1,1 Millionen Euro entfiel auf die häusliche Krankenpflege der größte Brocken. Falsche Abrechnungen in anderen Bereichen waren Arznei- und Verbandsmitteln 445.000 Euro, Krankenhausbehandlung 131.000 Euro, versichertenbezogene Leistungen 100.000 Euro und Pflegeversicherung 95.000 Euro.
Besonders häufig bei den Falschabrechnungen in der häuslichen Pflege tritt der Tatbestand des sogenannten "Beamens" auf. Hierbei haben vermeintlich einzelne Pflegefachkräfte zeitgleich bei mehreren Patienten und an unterschiedlichen Orten Leistungen erbracht. Dabei handelte es sich teilweise um 'Luftleistungen' oder auch um Leistungen, die von einer nichtqualifizierten Person erbracht und dann von einer qualifizierten Person dokumentiert und zur Abrechnung gebracht wurden.
Um potenziellen Betrugsfällen intensiver nachgehen zu können, fordert der AOK-Verwaltungsrat für Westfalen-Lippe die Bildung einer oder mehrerer Schwerpunktstaatsanwaltschaften oder Zentralstellen für Straftaten im Gesundheitswesen, die sich ausschließlich mit Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen befassen.
