News für das Pflegemanagement

Warum sich die Paketdienste über das PNOG beschweren

Auch das Geschäft mit den umstrittenen Pflegeboxen leidet offenbar unter dem Pflegeneuordnungsgesetz. Deren Anbieter warnen vor dem Aus für bis zu 1.200 Unternehmen und dem Verlust Tausender Arbeitsplätze. Auch Paketdienste gerieten unter Druck, sagen sie: Rund eine Million Sendungen monatlich könnten wegfallen, wenn die eigenständige 42-Euro-Pauschale für Pflegehilfsmittel wegfällt.

Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Mundschutz kommen bislang häufig im monatlichen Pflegebox-Abo ins Haus. Die Pflegekassen übernehmen dafür bei häuslicher Pflege und anerkanntem Bedarf bis zu 42 Euro monatlich, und zwar bei allen Pflegegraden von 1 bis 5. Mit dem Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) soll dieser eigenständige Anspruch entfallen. Pflegebedürftige könnten die Produkte künftig aus einem allgemeinen Entlastungsbudget bezahlen.

Das versetzt die Anbieter der Pflegeboxen in Aufruhr. Nach Berechnungen aus der Branche hängen rund 1.200 Unternehmen wesentlich von diesem Geschäftsmodell ab. Bis zu 95 Prozent der spezialisierten Anbieter könnten, so demnach in ihrer Existenz gefährdet sein. Auch mehrere Tausend Arbeitsplätze seien bedroht. Die Zahlen stammen aus nicht unabhängig überprüften Branchenschätzungen.

Sorge um zwölf Millionen Pakete

Besonders bemerkenswert ist die Rechnung zur Paketlogistik: Rund zwölf Millionen Pflegeboxen sollen jährlich verschickt werden. Bei fünf Euro Versandkosten pro Paket ergibt das einen Umsatz von 60 Millionen Euro, der DHL und anderen Dienstleistern künftig fehlen könnte. Die Branche beziffert den möglichen Rückgang des Paketgeschäfts auf 0,7 Prozent.

Dass die Pflegeboxen überhaupt auf dem Prüfstand stehen, hat allerdings Gründe. Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) berichtete erst im Juni wieder über dubiose Anbieter, die Pflegebedürftige mit irreführenden Anrufen in Abonnements drängten – teilweise unabhängig davon, ob sie die Produkte benötigten. Die KKH sieht in der bisherigen Pauschale einen Anreiz für Missbrauch. Die Anbieter wiederum fordern eine Prüfung der wirtschaftlichen Folgen und Übergangsregelungen.