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5. August 2026 | 07:00 Uhr
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Zehn Dos and Don'ts für Führungskräfte im Umgang mit KI

Künstliche Intelligenz kann Führungskräften helfen, produktiver zu arbeiten und Entscheidungen besser vorzubereiten, sagt Thomas Müller (Foto), Geschäftsführer der Beratung Contec in einem Gastbeitrag für Care vor9. Doch er warnt vor Tool-Fixierung und Passivität. An zehn Aspekten zeige sich, dass im KI-Zeitalter klassische Führungsqualitäten wie Urteilsvermögen und Verantwortungsbewusstsein mehr denn je gefragt seien.

Thomas Müller hat ein Buch über KI geschrieben, das gerade unter dem Titel "Relevanz im KI-Zeitalter" herausgekommen ist   

1. KI ist eine strategische Führungsaufgabe
Wer KI nur als Softwareeinführung betrachtet, greift viel zu kurz. Die Technologie verändert Entscheidungsprozesse, Verantwortlichkeiten und Zusammenarbeit. Führungskräfte müssen klären, welche Ziele sie mit KI verfolgen, welchen konkreten Nutzen sie erwarten und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, ob eine Anwendung zur Strategie und zur Arbeitsweise der Organisation passt.

2. Gute, aber auch schlechte Führung wird sichtbarer
KI ersetzt Führung nicht. Im Gegenteil: Sie legt offen, wie klar Entscheidungen begründet werden, welche Werte eine Organisation lebt und wie konsequent Prioritäten gesetzt werden. Wo Ziele unklar bleiben, Entscheidungswege nicht nachvollziehbar sind oder Zuständigkeiten fehlen, verstärkt Technologie häufig die Schwächen. Wo Orientierung fehlt, kann auch KI sie nicht schaffen.

3. Haltung wird für Führungskräfte noch wichtiger
Weder KI-Euphorie noch Zukunftsängste helfen weiter. Führungskräfte sollten beantworten können, wofür ihre Organisation KI einsetzen will, welche Grenzen gelten und welche Werte den Umgang mit der Technologie leiten. Es geht nicht um eine pauschale Zustimmung oder Ablehnung. Entscheidend ist eine differenzierte Haltung: Wo schafft KI einen erkennbaren Mehrwert? Wo braucht es besondere Vorsicht? Welche Auswirkungen auf Mitarbeitende, Bewohner, Patienten oder Klienten sind akzeptabel – und welche nicht?

4. Digitalisierung ersetzt keine Strategie
Viele Einrichtungen beschäftigen sich intensiv mit einzelnen Anwendungen. Dabei gerät leicht aus dem Blick, welches Problem sie eigentlich lösen wollen. Über Zukunftsfähigkeit entscheidet nicht die Zahl der eingesetzten Tools, sondern ihre Einbettung in eine klare strategische Richtung. Führungskräfte sollten also nicht mit der Frage beginnen, welche KI-Lösungen verfügbar sind. Wichtiger ist zunächst zu klären, wo die Organisation heute Zeit, Qualität oder Ressourcen verliert. Erst danach lässt sich prüfen, ob KI einen relevanten Beitrag leisten kann.

5. Mehr Tempo löst keine Führungsprobleme
KI beschleunigt Prozesse. Ohne klare Prioritäten beschleunigt sie allerdings auch Überforderung, Aktionismus und Ressourcenverschwendung. Besonders problematisch wird es, wenn viele Pilotprojekte parallel starten, ohne dass Verantwortlichkeiten, Ziele oder Erfolgskriterien feststehen. Dann entsteht zusätzlicher Abstimmungsbedarf, während der eigentliche Nutzen unklar bleibt. Führung bedeutet deshalb, bewusst auszuwählen: Welche Vorhaben unterstützen die strategischen Ziele? Wo ist der Nutzen für Mitarbeitende und Leistungsempfänger erkennbar? Welche Projekte werden beendet, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen? Priorisierung wird damit zu einer zentralen Führungsaufgabe.

6. Verantwortung bleibt menschlich
KI-Anwendungen können Vorschläge machen. Die Verantwortung für Personal, Bewohner, Patienten oder wirtschaftliche Entscheidungen bleibt jedoch beim Menschen. Führungskräfte müssen festlegen, wer Ergebnisse prüft, Entscheidungen trifft und bei Fehlern oder Zweifelsfällen eingreift. Ebenso wichtig sind verbindliche Prüfprozesse, eine nachvollziehbare Dokumentation und klare Eskalationswege. Verantwortung bedeutet dabei mehr als formale Zuständigkeit. Sie verlangt auch die Bereitschaft, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und Entscheidungen gegenüber Mitarbeitenden, Betroffenen und Gremien zu vertreten.

7. Selbstführung wird zur Schlüsselkompetenz
Führungskräfte können ihre eigene Entwicklung nicht an Technologie delegieren. Wer relevant bleiben will, entwickelt Kompetenzen kontinuierlich weiter, lernt den reflektierten Umgang mit KI und gestaltet die eigene Rolle im Zusammenspiel von Mensch und System aktiv. Die Zukunft ist so gesehen hybrid.

8. Zukunft entsteht im Netzwerk
Die besten Antworten auf komplexe Fragen entstehen selten allein. Organisationen profitieren davon, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und Annahmen offen hinterfragt werden. KI kann diesen Austausch unterstützen, indem sie Informationen strukturiert oder Szenarien sichtbar macht. Gemeinsames Lernen, kritische Diskussion und verantwortliche Entscheidungen kann sie jedoch nicht ersetzen.

9. Die größte Gefahr ist nicht KI – sondern Passivität
Problematisch wird es, wenn Menschen KI-Ergebnisse unkritisch übernehmen oder sich der Entwicklung vollständig entziehen. Wer Ergebnisse ungeprüft nutzt, kann Fehler, Verzerrungen oder unpassende Annahmen fortschreiben. Wer jede Auseinandersetzung vermeidet, verliert dagegen die Möglichkeit, technologische Entwicklungen nach den eigenen fachlichen und ethischen Maßstäben mitzugestalten.

10. Zukunftsmut ist wichtiger als Zukunftsgewissheit
Zukunftsmut bedeutet nicht, Ängste zu verdrängen, sondern trotz Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und die Richtung mitzugestalten. Dafür braucht es klare Ziele, nachvollziehbare Kriterien und die Bereitschaft, den eingeschlagenen Weg anzupassen. Organisationen müssen nicht jede Entwicklung vorwegnehmen. Sie sollten jedoch in der Lage sein, Veränderungen früh zu erkennen, gemeinsam zu bewerten und verantwortungsvoll darauf zu reagieren.

Autor Thomas Müller ist Geschäftsführender Gesellschafter von Contec und Leiter des Bereichs Con-Quaesso Personalberatung. Contec ist spezialisiert auf die Beratung von Unternehmen der Sozialwirtschaft. 

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