Anfangs versuchte es die Agaplesion-Markus-Diakonie mit Gymnastikkursen. Doch das Interesse der Mitarbeiter war gering. Eine Befragung zeigte, dass sie sich etwas anderes wünschten: mehr Einfluss auf ihre Arbeitsbedingungen. Das war 2021, als drei Einrichtungen des Trägers in das BGM-Programm „Gesunde Pflege“ der Techniker Krankenkasse einstiegen.
Im Haus Saalburg veränderte sich so die Dienstplanung ganz grundsätzlich. Heute plant das Pflegeteam die Dienste selbst, berichtet die Neue Frankfurter Presse. Dafür mussten die Mitarbeiter lernen, ihre Wünsche abzustimmen, während die Führungskräfte Verantwortung abgaben. Inzwischen können Pflegekräfte beispielsweise dauerhaft im Spätdienst arbeiten, wenn ihnen das besser liegt. Die Planung sei dadurch verlässlicher geworden, berichtet Pflegedienstleiter Patrick de Paoli. Eine Dienstplan-App soll die Organisation künftig weiter erleichtern.
Gesundheitsmanagement ist mehr als Obstkörbe und Rückenkurse
Auch andere Angebote entstanden aus den Wünschen der Mitarbeiter, darunter Ernährungsschulungen und gemeinsame Aktivitäten. Entscheidend sei aber die Möglichkeit, den Arbeitsalltag mitzugestalten, betont Geschäftsführerin Hannelore Rexroth.
Das Beispiel bestätigt die Einschätzung von Joachim Görtz, Leiter der Stabsstelle Betriebliche Gesundheitsförderung beim Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA). Im Interview mit Care vor9 hatte er davor gewarnt, BGM auf Rückenkurse und Obstkörbe zu reduzieren. „Ein Stressmanagementkurs bewirkt wenig, wenn Mitarbeiter im Alltag massiv unter Druck stehen.“ Entscheidend seien bessere Arbeitsbedingungen, insbesondere verlässliche Dienstpläne und ein funktionierendes Ausfallmanagement.
