"Wenn die Ausbildung am 1. September startet und die ausländische Auszubildende erst am 31. August in Deutschland landet, sind Probleme vorprogrammiert“, sagt Kersten. Ein solches Onboarding überlasse die teils noch jungen Menschen weitgehend sich selbst. Sie müssten sich nicht nur in einem völlig neuen Land zurechtfinden, sondern zugleich eine anspruchsvolle Fachkraftausbildung in einer neuen Sprache bewältigen. Viele könnten zwar formal ein Deutschniveau B2 vorweisen. "Es braucht aber ein sehr gutes Deutsch, um eine Fachkraftausbildung absolvieren zu können", betont Kersten. Gerade Fachsprache und Kommunikation im Pflegealltag seien noch einmal etwas anderes als Sprachkenntnisse aus dem Unterricht.
Kerstens Tipp: Internationale Nachwuchskräfte nicht unmittelbar in die Ausbildung starten lassen. Einige Einrichtungen beschäftigen sie zunächst als Helfer und verbinden dies mit einem Deutschkurs. So lernen sie gleichzeitig die Praxis kennen und erfahren, wie Pflege in Deutschland organisiert ist.
Eine Möglichkeit ist, ausländische Nachwuchskräfte zunächst als Helfer zu beschäftigen oder ihnen über ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beziehungsweise Praktikum Zeit zum Ankommen zu geben. Einige Einrichtungen verbinden diese Phase mit einem Deutschkurs. So bleibe Zeit, sich im neuen Umfeld zu orientieren, sprachlich sicherer zu werden und erste Einblicke in den Arbeitsalltag zu gewinnen, bevor der Ausbildungsdruck beginnt. Allerdings fehle es nach Kerstens Erfahrung vielerorts noch an Lehrpersonal für entsprechende Fachsprachkurse.
