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21. September 2022 | 14:04 Uhr
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Bewohner bei Digitalisierung oft weiter als Einrichtungen

Bewohner von Pflegeeinrichtungen sind auch im hohen Alter erstaunlich technikoffen und relativ gut mit Geräten ausgestattet. Das ist die überraschende Erkenntnis von David Leopold vom Projekt "Di Bi Wohn" der Katholischen Hochschule Freiburg, die er auf dem BFS-Kongress Betreutes Seniorenwohnen in Leipzig präsentierte. Dagegen bestünden in Heimen und betreuten Wohnanlagen "noch große Defizite in der digitalen Infrastruktur".

Alte Frau Laptop Foto iStock bowie15.jpg

In der Pandemie haben viele Enkel ihren Großeltern das Internet beigebracht

Drei Viertel der Mieter in betreuten Wohnanlagen bezeichnen sich als Onliner, ergab eine Stichprobe mit 126 Telefonbefragungen. Trotz eines Durchschnittsalters von bei 81 Jahren erachten viele die Digitalisierung für sich selbst als wichtig. Auf einer Skala von eins bis zehn gaben die Online-Senioren der Digitalisierung in ihrem Leben eine Bedeutung von 7,5 Punkten. Immerhin zwei Drittel der online-affinen Bewohner haben einen eigenen Laptop oder Tablet und ein Smartphone.

Wissenschaftler Leopold sieht Corona als Treiber dieser Entwicklung. Während der Pandemie hätten die Senioren vor allem Videokommunikation gelernt, um mit ihren Familien Kontakt zu halten. Viele Enkel hätten Oma und Opa die Geräte eingerichtet und mit ihren einen Schnellkurs gemacht. Mittlerweile nutzen die Senioren vielen Anwendungen im Web: Suchmaschinen 78 Prozent, E-Mail 63 Prozent, Nachrichten 61 Prozent, aber auch Videoportale mit 25 Prozent.

Die wichtigsten Motive für die Nutzung des Internets für die befragten Senioren sind, "weil ich mich informieren möchte" mit 66 Prozent und, "weil ich damit soziale Kontakte pflegen kann" mit 44 Prozent. Immerhin 37 Prozent sagen, "weil es mir Spaß macht". Überrascht hat Leopold, dass sich immerhin 30 Prozent der Frauen mit Online-Spielen die Zeit vertreiben, aber nur vier Prozent der Männer.

Die Einrichtungen auf der anderen Seite hätten in Sachen Digitalisierung noch großen Nachholbedarf, fanden Leopold und seine Kollegen heraus. Gut 80 Prozent der 132 untersuchten Standorte böten die Möglichkeit für einen privaten Internetanschluss, knapp 70 Prozent lassen ihre Bewohner kostenlos surfen. Geräte stellen allerdings nur die Hälfte. Die Einrichtungen blicken anders auf die Digitalisierung. 95 Prozent betrachten den Einzug digitaler Technologie in der Verwaltung am wichtigsten, gefolgt mit 93 Prozent zum Schutz und zur Sicherheit der Bewohner. 

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