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11. Mai 2023 | 22:13 Uhr
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Caritas sucht Wege aus der Fachkräfte-Misere

90 Prozent der teilnehmenden Betriebe am Caritas-Panel 2022 haben große Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Fachkräften. Zwei Drittel der Caritas-Dienstgeber sehen demnach einen Personalmangel. Norbert Altmann (Foto), Sprecher der Caritas Dienstgeberseite, fordert die Politik zum Handeln auf. Die Caritas selbst will mit Best-Practice-Beispielen Möglichkeiten zur Verbesserung aufzeigen. 

Caritas Dienstgeber Altmann Norbert Sprecher 2 Foto Holger Peters Fotografie

Norbert Altmann fordert von der Politik praxistaugliche Rahmenbedingungen und eine verlässliche Finanzierung

Bei der Vorstellung des Caritas-Panel 2022 in Berlin wies Altmann darauf hin, dass die Caritas ein guter Arbeitgeber sei: "Die Ergebnisse des Caritas-Panels machen im Vergleich mit der gesamtwirtschaftlichen Situation deutlich, dass die Caritas attraktive Arbeitsbedingungen hat und sich als Arbeitgeberin behaupten kann." Dies belegt ein Vergleich mit den Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Bei der Caritas bleibt jede vierte ausgeschriebene Stelle unbesetzt, über alle Branchen in Deutschland sind es 45 Prozent. 

Laut Altmann spielt Zeitarbeit bei der Caritas derzeit eine überschaubare Rolle: Weniger als ein Prozent der Beschäftigten seien Leiharbeiter. Zudem könne die Caritas 88 Prozent der Ausbildungsplätze besetzen, der Bundesschnitt liege hier laut IAB bei nur 67 Prozent. Allerdings liegt die Übernahmequote in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bei der Caritas mit 73 Prozent vier Prozentpunkte niedriger als über alle Wirtschaftsbereiche.

Die Politik muss mithelfen

Für die Verbesserung der angespannten Lage nimmt Altmann die Politik in die Pflicht: "Die Einrichtungen brauchen praxistaugliche und zugleich rechtssichere Rahmenbedingungen sowie eine stabile, verlässliche Finanzierung." Auch die Medien kommen bei ihm nicht ungeschoren davon. Das Image der inzwischen gut bezahlten, sehr sicheren und gesellschaftlich wertvollen Berufe müsse dringend verbessert werden. "Es hilft nicht, die sozialen Berufe immer nur schlecht zu reden", so Altmann.

Caritas geht mit Best-Practice-Beispielen voran

Aus den eigenen Reihen zeigte die Caritas Düsseldorf mit ihrem Projekt "Bei Click Ausbildung auf", wie man durch ein niederschwelliges Angebot Bewerber gewinnen kann. Beim Bewerbungsprozess wird dabei weniger wert auf Zeugnisse und Formalien gelegt. Wichtig ist vielmehr eine schnelle Reaktion von Arbeitgeberseite und eine enge Begleitung der Azubis während der Ausbildung. 

Rolf Steinegger von der Caritas Hochrhein berichtete von einem Projekt, bei dem in der ambulanten Pflege über Stundensätze und nicht Leistungen abgerechnet wird. An die Stelle üblicher Sollvorgaben treten die Entscheidungen der Pflegefachkräfte, was in der jeweiligen Situation geboten ist. Die Ergebnisse findet Steinegger überzeugend, denn diese Vorgehensweise führe zu Entbürokratisierung und einer Stressreduktion beim Pflegepersonal. 

Das Image des Pflegeberufs verbessern will die Caritas München-Freising mit ihrer Kampagne "Caritas. Nah. Am Nächsten." Aleksandra Solda-Zaccaro erklärt, dass die Werbung authentisch wirken soll und deswegen Portraitfotos von echten Kunden und Mitarbeitern verwendet wurden. Wichtiger Bestandteil der Strategie ist die Umsetzung auf Social Media.

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