"Den Familienunternehmen gehört die Zukunft"
Michael Müller (Foto) war COO beim Pflegekonzern Orpea (heute Emeis) und bei Schönes Leben, als der Betreiber noch zu Compassio gehörte. Doch 2021 hat er sich selbstständig gemacht, das Pflegeunternehmen Emida gegründet, um es ganz nach seinen Vorstellungen zu formen. Ganz nach seinen Vorstellungen, das kann dann auch bedeuten, dass er sich, wie vorigen Sommer, von drei seiner fünf Einrichtungen wieder trennt. Weil er sich ein Angebot aus einem Guss wünscht. So nimmt er also gerade noch einmal Anlauf.
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Michael Müller möchte mit Emida in den nächsten Jahren auf zehn Einrichtungen wachsen
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Der 42-Jährige hat unter dem Dach der Emida Residenzen Holding vor wenigen Wochen die Marien-Residenz im ostwestfälischen Minden eröffnet. 93 Pflegeplätze, auf vier Etagen verteilt, mit Voll-, Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Dazu ein hauseigener Küchenbetrieb, der Speisen frisch zubereitet, Unterhaltsreinigung – und ebenso wichtig: ein Empfang mit Rezeption von dem aus es nur wenige Schritte bis zum Café sind. Dort müssen sich die Gäste Kaffee und Kuchen nicht auf Plastiktabletts selbst besorgen, sondern werden am Tisch bedient.
Das ist Müllers Ideal von einem Pflegeheim und erklärt auch, weshalb er die Standorte in Hille, Liebenau und Rödinghausen in Westfalen verkauft hat: Sie lassen sich nicht so gestalten wie der neue von Cureus entwickelte Standort in Minden. Sie atmen nicht die Atmosphäre, die Müller sich wünscht, und wie es sie auch schon in der Erlen Residenz in Meerbeck, nicht weit von Minden, gibt. In der nächsten Zeit kommen noch jeweils eine Residenz in Linz, Nettetal und Mechernich hinzu. Aber peu a peu: Auf zehn Einrichtungen soll Emida wachsen, jedes Jahr ein Neubau mit 80 bis 120 Plätzen in Betrieb gehen. Zunächst noch in Westfalen, später dann eher im Rheinland, wo Müller lebt und die Hauptverwaltung von Emida sitzt.
Emida bewegt sich im oberen Preissegment
Jedes Mal neu zu bauen, die gediegene Ausstattung, die frische Küche – damit bewegt sich Emida im oberen Preissegment. "Nicht Premium, aber wirklich schon oberes Preissegment. Wir haben allerdings noch nie erlebt, dass das ein Problem darstellt – nicht für die Angehörigen und auch nicht für die Sozialämter, unsere Kosten sind in den Pflegesatzverhandlungen immer berücksichtigt worden“, sagt Müller. 2022, als die Tariftreuepflicht kam, sei es noch schwierig gewesen mit den Pflegekassen, da habe es keine ausreichende Finanzierung gegeben. "Aber das hat sich zum Glück im letzten Jahr verändert – Einrichtungen können wieder wirtschaftlich geführt werden, was natürlich nicht nur ein Benefit für Betreiber, sondern für Bewohner und Mitarbeitende ist."
Mitarbeiter zu finden, sei kein Problem für Emida, beteuert Müller. Regional geerdete kleinere Unternehmen hätten in der Beziehung Vorteile. Der gelernte Krankenpfleger hat Kontakte in Nordrhein-Westfalen und kennt viele seiner Führungskräfte schon seit Jahren. "Das hat den großen Vorteil, dass wir neue Einrichtungen sehr zügig belegen können."
In Minden ist im Erdgeschoss ein Kindergarten angesiedelt
Und dann gibt es noch so günstige Konstellationen wie beispielsweise den Kindergarten, der am Standort in Minden im Erdgeschoss eingezogen ist: Da haben die Mitarbeiterkinder feste Plätze. Aber es geht auch wieder um die Atmosphäre. "Unsere Einrichtungen sollen doch auch Begegnungsstätten für Jung und Alt werden", sagt Müller.
Voriges Jahr hat Emida mit knapp 500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von knapp 20 Millionen Euro erwirtschaftet. Eine Summe, die weit entfernt ist von dem, was Müller aus seiner Zeit bei Orpea gewohnt war. "Aber es zeigt sich in der Branche immer mehr, dass ein familiär geführtes Unternehmen genau das ist, was Mitarbeiter sich wünschen", sagt Müller. "Deshalb gehört den Familienunternehmen die Zukunft."
Kirsten Gaede