Große Pläne führen die Wohnvoll AG in die Insolvenz
"Attraktive, erschwingliche Wohnmodelle" für Menschen über 65 sollten das Unternehmen zu einem erfolgreichen Player im Senior-Living-Geschäft machen. Doch vor einer Woche platzte der Traum. Vorstand Theodorus Gorens beantragte am 11. Mai für die Wohnvoll AG und zwei Tochtergesellschaften Insolvenz beim Amtsgericht Frankfurt. Thomas Rittmeister, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte, wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter berufen.
Wohnvoll AG
Das Wohnvoll-Projekt in Ginsheim-Gustavsburg bei Mainz sollte eigentlich dieses Jahr in Bau gehen
Die Wohnvoll AG war 2021 mit großen Plänen gestartet. Aktuell gibt es vier Standorte: die Wohnvoll-Villages in Bad Bevensen und Goslar (Niedersachsen) sowie in Bergkamen bei Dortmund und Höhr-Grenzhausen (Westerwald). Im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim sollte bald das fünfte Wohnvoll-Village eröffnen. Das Konzept verbindet das Wohnen in seniorengerechten Apartments mit Concierge-Service und Pflegeunterstützung. Laut Website sind 21 weitere Standorte in Planung, unter anderem in Ginsheim-Gustavsburg bei Mainz. Ob diese nach der Insolvenz noch eine Chance haben, ist zumindest offen.
Das Amtsgericht Frankfurt hat Rechtsanwalt Rittmeister zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Wohnvoll AG bestellt. Auch die verbundenen Unternehmen Wohnvoll Development Service GmbH und Wohnvoll Hospitality Service GmbH werden nach einem Insolvenzantrag von ihm verwaltet. Laut Wohnvoll sollen die operativen Gesellschaften, die laufenden Einrichtungen sowie die einzelnen Projektgesellschaften nicht von der Insolvenz betroffen sein, berichtet die Immobilien-Zeitung. Bereits vor dem Insolvenzantrag habe es Sanierungsbemühungen gegeben, so der Entwickler gegenüber der Zeitung. Diese blieben aber offenbar ohne Erfolg.
Die Wohnvoll AG hat seit ihrer Gründung erhebliche Verluste angehäuft. In der Bilanz von 2023 steht ein Jahresfehlbetrag von 8,8 Millionen Euro, hinzu kommt ein Verlustvortrag von 20,2 Millionen Euro. Laut dem Datendienstleister Northdata standen zu diesem Zeitpunkt allerdings noch 123 Millionen Euro Eigenkapital in der Bilanz. Ein neuerer Abschluss ist dort nicht verfügbar.
Thomas Hartung