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1. Juli 2026 | 21:27 Uhr
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Klimaanlagen im Pflegeheim? Betreiber stoßen an Grenzen

Nach den Hitzegroßeinsätzen in mehreren Pflegeheimen werden Rufe nach Klimaanlagen lauter. Doch ein Betreiber aus Baden-Württemberg zeigt, warum die Forderung in der Praxis kaum umzusetzen ist. Allein die Teilklimatisierung eines modernen Pflegeheims würde bis zu 300.000 Euro kosten – refinanziert werden die Investitionen bislang nicht. Überraschend: Selbst hochgedämmte Neubauten geraten bei extremer Hitze schneller an ihre Grenzen als manche Altbauten.

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Bei Temperaturen wie voriges Wochenende hilft auch ein Fächer nicht mehr. Deshalb werden Rufe nach Klimaanlagen in Pflegeheimen immer lauter    

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Als Maik Zlatanovic vor zwei Jahren überlegte, sein 2020 eröffnetes Pflegeheim teilweise mit Klimaanlagen auszustatten, rechnete er zunächst mit einer überschaubaren Investition. Doch für sechs Wohngruppen, Gemeinschaftsbereiche sowie Dienst- und Funktionsräume – insgesamt rund 2.000 der 6.000 Quadratmeter Nutzfläche – lag die Kostenschätzung bei 250.000 bis 300.000 Euro. "Die Bank würde das finanzieren", sagt der geschäftsführende Einrichtungsleiter der Pflegedomizile Hegau. "Aber refinanzieren können wir das nicht." Höhere Eigenanteile seien angesichts der ohnehin hohen Pflegekosten keine realistische Lösung.

Dabei zeigt ausgerechnet sein Neubau die Grenzen moderner Energiestandards. Bis etwa 28 Grad Außentemperatur funktioniere das Gebäude hervorragend. Bei längeren Hitzephasen über 30 Grad heize sich jedoch die stark gedämmte Gebäudehülle so stark auf, dass die Wärme nach innen abstrahle. "Dann wird das Haus zur Dunstglocke", so Zlatanovic. Trotz maximal laufender Lüftungsanlage, geschlossener Jalousien und Ventilatoren lasse sich die Raumtemperatur oft kaum unter 28 oder 29 Grad halten. Der zweite Standort der Pflegedomizile Hegau, ein Altbau von 1926 mit Ziegelwänden und Putz innen und außen bleibe dagegen durch Verschattung und Querlüftung oft angenehm kühl.

"Wir können die Bewohner nicht jedes Mal in die Notaufnahme schicken"  

Neben den klassischen Hitzeschutzmaßnahmen beschäftigt sich Zlatanovic inzwischen mit Notfallkonzepten für Bewohner mit akuten Hitzereaktionen. "Wir können die Bewohner schließlich nicht jedes Mal in die Notaufnahme schicken." Außerdem steigt der Aufwand für die Mitarbeiter: Raumtemperaturen müssen laufend gemessen und dokumentiert, Trinkbilanzen kontrolliert und Bewohner engmaschig beobachtet werden. "Alle stehen Gewehr bei Fuß", sagt Zlatanovic. "Das ist für Bewohner und Beschäftigte gleichermaßen belastend."

Auch der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB), Thomas Knieling, fordert deshalb mehr als Hitzeschutzpläne. Notwendig seien bauliche Maßnahmen wie Verschattung, Begrünung oder Klimatisierung. In vielen Bestandsgebäuden lösten diese Investitionen jedoch Kosten im sechsstelligen Bereich aus wie das Beispiel von Zlatanovic zeigt. "Wenn Politik und Kassen mehr wirksamen Hitzeschutz fordern, müssen sie auch die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen", sagt Knieling.

Klimaanlagen in neuen Pflegeheimen seltener als in Büros 

Dass Klimaanlagen in Pflegeheimen bislang die Ausnahme sind, zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Nur 14,5 Prozent der 2025 fertiggestellten Gebäude des Sozialwesens – dazu gehören Pflegeheime und Kitas – verfügen über eine Anlage zur Kühlung. Zum Vergleich: Bei neuen Bürogebäuden liegt die Quote bei 37,8 Prozent, bei Krankenhäusern bei 34,4 Prozent.

Wer die nötigen Investitionen finanzieren soll, ist umstritten. Der Bund verweist auf das 100-Milliarden-Euro-Infrastrukturprogramm für Länder und Kommunen. Die Länder wiederum sehen den Bund in der Pflicht. Für Betreiber wie Zlatanovic hilft diese Debatte im Alltag wenig. "Hitzeschutz gehört zur Daseinsvorsorge", sagt er. "Da können sich Bund und Länder nicht gegenseitig den Ball zuspielen."

Kirsten Gaede