TÄGLICHE NEWS FÜR DAS MANAGEMENT VON PFLEGE UND WOHNEN IM ALTER

31. Januar 2022 | 21:18 Uhr
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Orpea setzt Konzernchef nach Pflegeskandal vor die Tür

Die Veröffentlichung des Buchs "Die Totengräber" über zahlreiche Missstände in einem Orpea-Pflegeheim bei Paris schlägt in Frankreich hohe Wellen. Nachdem der Konzern anfangs noch alle Vorwürfe zurückgewiesen und dem Autor böswillige Diffamierung unterstellte hatte, wurde jetzt der langjährige Chef gefeuert. Nach den Anschuldigungen hatte das börsennotierte Unternehmen die Hälfte seines Wertes verloren, rund drei Milliarden Euro.

Orpea Maison de Retraite les Bords de Seine Foto Orpea

Orpea-Pflegeeinrichtung im Parise Vorort Neuilly-sur-Seine

Die Pressemitteilung widmete dem abrupten Ende des Konzernchefs gerade zwei Sätze: "Der Verwaltungsrat der Orpea-Gruppe hat in seiner Sitzung am 30. Januar 2022 entschieden, Herrn Yves Le Masne von seinen Pflichten als Chief Executive Officer zu entbinden. Der Verwaltungsrat dankt Herrn Yves Le Masne für seine 28 Jahre im Dienst der Gruppe."

Statt Le Masne übernimmt ab sofort Philippe Charrier den Chefsessel bei Orpea. Charrier ist seit vier Jahren Mitglied des Verwaltungsrats und soll nun als CEO Licht in die Vorwürfe bringen und das Vertrauen von Betroffenen, Öffentlichkeit und Investoren zurückgewinnen. Orpea berteibt rund 1.100 Pflegeeinrichtungen in 23 Ländern. In Deutschland gehört Orpea mit rund 140 Pflegeheimen zu den größten Anbietern.

Der französische Journalist Victor Castanet beschreibt in seinem Buch "Die Totengräber" zahlreiche Missstände in einem Pflegeheim bei Paris und wirft dem Management vor, die Gewinnmarge mit allen Mittel erhöhen zu wollen. Hygienestandards sollen mit Füßen getreten sowie Essen und andere Leistungen rationiert gewesen sein. Nachdem die Tageszeitung Le Monde Auszüge veröffentlicht hatte, reagierte Frankreich erschüttert. Selbst ein Regierungssprecher nannte die Berichte "absolut empörend", berichtet die Frankfurter Allgemeine.

Neben dem Imageschaden drohen Orpea nun rechtliche Auseinandersetzungen, schreibt die FAZ weiter. Eine auf Familien- und Strafrecht spezialisierte Anwältin bereite eine Sammelklage betroffener Bewohner vor.

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