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20. Juli 2022 | 16:28 Uhr
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Mailen

Schweizer Abzock-Unternehmen zielt auf Pflegebedürftige

Mit einer fiesen Masche versucht der "Pflegeservice Smart" aus der Schweiz derzeit, alte Menschen in Deutschland abzuzocken, auch in Pflegeheimen. Die Pflegebedürftigen erhalten unaufgefordert Anrufe und Schreiben, dass sie mit ihrem Pflegegrad Anspruch auf Leistungen hätten und diese nicht verfallen lassen sollten. Bei der Beantragung helfe man gerne. Gleich drauf flattert eine Rechnung über eine "Servicegebühr" von 129 Euro ins Haus. Dabei gibt es Beratung überall kostenlos.

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Mit solchen Briefen versucht die Schweizer United Swiss Marketing AG alte Menschen abzuzocken

Unklar ist, woher der vermeintlich Pflegeservice die Telefonnummern der alten Menschen hat und ihren Pflegegrad kennt. Denn dies ist offenbar der Fall, sagt Reinhard Leopold, Regionalbeauftragter des Biva-Pflegeschutzbunds in Bremen. Anrufer erzählten von gesetzlichen Ansprüchen bei Pflegegraden gegenüber der Pflegekasse und machten auch vor Bewohnern von Pflegeheimen nicht Halt, wie ein Beispiel einer pflegebedürftigen Frau in einer Einrichtung zeigt.

Kurz nach dem Telefonat bekam die alte Dame Post aus der Schweiz, die Care vor9 vorliegt. "Sie haben eine hervorragende Entscheidung getroffen..." heißt es da gleich zu Beginn. "Damit Ihre Ansprüche nicht weiter verloren gehen, helfen wir mit unserem Service ganz unkompliziert..." Und dann: "Bitte überweisen Sie die Servicegebühr". Das sind gleich mal 129 Euro.

Ein kopierter Zeitungsartikel aus der Zeit mit dem Titel "Jährlich verfallen Ansprüche Pflegebedürftiger in Milliardenhöhe" erhöht den psychologischen Druck. Da geht das Kleingedruckte am Schluss schnell unter: "Unser Service beinhaltet keine kostenfreie Pflegeberatung, die Ihnen möglicherweise durch die Pflegekasse zusteht. Es erfolgt weder Bedarfsanalyse noch Einschätzung Ihrer Pflegesituation."

Verbraucherzentrale warnt vor Betrügern

Anrufe und Briefe stammen vom "Pflegeservice Smart" der United Swiss Marketing AG aus dem schweizerischen Tägerwillen. Die dubiosen Geschäfte sind nicht nur für Biva-Vertreter Leopold "eine Betrugsmasche, auf die leider immer wieder vor allen Dingen ältere und/oder pflegebedürftige Menschen hereinfallen". Auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und die Polizei in Hessen warnen von den Schweizer Betrügern, die auch unter anderen Firmennamen ihr Unwesen treiben.

"Beenden Sie einfach das Gespräch", rät etwa die Polizeidirektion Mittelhessen. Wenn dennoch eine Auftragsbestätigung oder Rechnung folgt, sollten die Betroffenen auf jeden Fall dem Vertrag widersprechen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Verbraucherschützer prüfen "rechtliche Schritte" gegen United Swiss Marketing, zumal auch andere Firmen wie Bonafair oder Mönchshofer mit derselben Geschäftsadresse ebenfalls ältere Menschen anrufen, in Gespräche verwickeln und dann Nahrungsergänzungsmittel samt saftiger Rechnungen verschicken.

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