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12. Juni 2026 | 07:00 Uhr
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Warum Marcel Schmidberger seinem Opa dankbar sein kann

Rennfahrer wollte Marcel Schmidberger als Kind werden. Daraus ist nichts geworden, aber seine Karriere hat Formel-1-Qualität: Gerade mal 22 hat er zusammen mit seinem Zwillingsbruder das Unternehmen Voize gegründet. Das ist heute Marktführer bei der Pflege-Sprachdokumentation. Doch wie ist Schmidberger, der stets so gelassen wirkt, als käme er gerade vom Strand, in der Pflege gelandet? Das hat, so erzählt er im Care-vor9-Fragebogen, viel mit seinem Opa zu tun.

Hätte Marcel Schmidberger ein Jahr Auszeit, er würde surfen, surfen, surfen – egal wo, in Dänemark, Portugal oder Frankreich

Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Ingenieur oder Rennfahrer. Mein Schülerpraktikum habe ich beim Formula Student Team der Uni Stuttgart gemacht und dort Zahnräder für kleine Rennwagen konstruiert. Beim Studium stand dann Luft- und Raumfahrttechnik gegen Informatik. Ich habe mich für Informatik entschieden. 

Wie sind Sie in die Altenpflege gekommen?
Über meinen Opa. Als er im Pflegeheim lebte, haben wir aus nächster Nähe erlebt, wie viel Zeit die Pflegekräfte mit der Dokumentation verbringen. Zeit, die ihnen eigentlich bei den Menschen fehlt. Da kam meinem Zwillingsbruder Fabio und mir die Idee: Was wäre, wenn man die Doku einfach sprechen könnte? Daraus ist dann Voize entstanden.

Was lieben Sie an Ihrem Job?
Zwei Dinge. In der Pflege hat man es ständig mit großartigen Menschen zu tun. Und wir lösen ein wirklich schwieriges Problem. Es reicht eben nicht, dass unsere App okay oder mittelmäßig ist, sie muss richtig, richtig, richtig gut sein, damit sie im Alltag funktioniert. 

Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Viel Surfen. An ganz verschiedenen Orten, Portugal, Frankreich oder Dänemark.

Wie schalten Sie ab?
Am liebsten in Bewegung und draußen: Skifahren, Surfen, Klettern, Segeln. Dabei habe ich aber gar nicht das Gefühl, von etwas abschalten zu müssen, ich mag meine Arbeit ja. Aber wenn ich mir Zeit für anderes nehme, komme ich danach oft mit ganz neuen Gedanken zurück. 

Welches Buch lesen Sie gerade?
„Allein zwischen Himmel und Meer“ von Boris Herrmann, über seine Solo-Weltumsegelung bei der Vendée Globe.

Ihr Lieblingsessen?
Schwäbisch durch und durch: Linsen mit Spätzle. Oder der Kartoffelsalat von meinem Papa.

Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Auf Startup-Ebene die Gründer von Anthropic. Sie haben in kurzer Zeit etwas richtig Beeindruckendes aufgebaut. Mich würde interessieren, wie sie dabei denken und Entscheidungen treffen. Und von den politischen Köpfen Barack Obama, den finde ich auch sehr spannend.

Wie und wo wollen Sie alt werden?
Zwei Szenarien, je nachdem, wie es einem dann geht. Am liebsten in einem kleinen Häuschen am Strand, in den Dünen, mit täglichen Strandspaziergängen und Surfen, solange ich fit genug bin. Falls es doch das Pflegeheim wird: Ich habe inzwischen ein paar richtig tolle Häuser kennengelernt, mit einer wahnsinnig herzlichen Belegschaft, von der Pflege bis zur Küche. Wenn das Umfeld und die Menschen stimmen, kann ich mir das gut vorstellen.

Marcel Schmidberger, aufgewachsen in Kornwestheim bei Ludwigsburg, zog nach dem Abitur für sein Studium von Baden-Württemberg an das Hasso-Plattner-Institut (HPI) nach Potsdam. Dort entwickelte der heute 28-Jährige zusammen mit seinem Zwillingsbruder Fabio und mit Erik Ziegler die Software für eine KI-gestützte Pflegedokumentation. Später gründeten die Drei das Unternehmen Voize. Heute wird die gleichnamige Software in mehr als 2.000 Pflegeeinrichtungen eingesetzt und von rund 180.000 Pflegekräften genutzt.