CDU-Abgeordnete machen Druck für stambulante Versorgung
Mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete drängen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), die stambulante Pflege mit dem Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) schneller in die Regelversorgung zu bringen. In einem Brief, der der Redaktion vorliegt, fordern 15 Parlamentarier ein "Fast-Track-Verfahren". Ihr Argument: Gerade, wenn die Pflegereform Leistungen begrenze, dürfe die Politik nachweislich kostensparende Versorgungsformen nicht weiter ausbremsen.
SWR
Das stambulante Konzept in Haus Rheinaue im baden-württembergischen Wyhl hat bundesweit viel Medieninteresse geweckt
Der Brief ist unterzeichnet von den Abgeordneten Maria-Lena Weiss, Christoph Naser und Yannick Bury, zwölf weitere sind als Unterstützer aufgeführt. Entwickelt und erprobt hat das von ihnen propagierte Versorgungsmodell der Pflegeanbieter Benevit in seinem Haus Rheinaue im baden-württembergischen Wyhl. Das stambulante Konzept verbindet Elemente der ambulanten und stationären Versorgung: Bewohner leben in Hausgemeinschaften und beteiligen sich gemeinsam mit Angehörigen und Pflegekräften am Alltag. Auch bei hohen Pflegegraden können sie dort bis zum Lebensende versorgt werden.
Iges-Institut bescheinigt bessere Qualität und geringere Kosten
Rückenwind erhalten die Befürworter durch eine wissenschaftliche Untersuchung. Das auf Versorgungsfragen spezialisierte Iges-Institut hat das Modell im Auftrag des GKV-Spitzenverbands und in Abstimmung mit dem Bundesgesundheitsministerium schon vor einigen Jahren evaluiert. Ergebnis: Die Versorgungsqualität verbesserte sich, gleichzeitig ließen sich Kosten einsparen. In der Folge empfahl der GKV-Spitzenverband dem Gesundheitsministerium, das Konzept als Versorgungsform ins SGB XI aufzunehmen.
Genau darauf beziehen sich jetzt die CDU-Abgeordneten. Modelle, die "sowohl hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit als auch ihrer Qualität wissenschaftlich positiv evaluiert" und bereits erfolgreich erprobt seien, müssten schneller zugelassen werden. Das derzeit vorgesehene Verfahren für gemeinschaftliche Wohnformen komme nach ihrer Kenntnis nur schleppend voran und könne sogar scheitern.
Einige Trägerverbände lehnen gesetzliche Verankerung von Stambulant ab
Stambulant ist allerdings in der Branche umstritten. Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) gehört zu den Befürwortern. Präsident Thomas Greiner lobte das Modell zuletzt erneut auf der Sommerkonferenz seines Verbands in Berlin. Unterstützung kommt auch aus der Kommunalpolitik. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) lehnt eine eigene stambulante Regelversorgung dagegen ab. Er sieht darin eine "regionale Inselidee" und befürchtet Nachteile für die bestehende Landschaft ambulant betreuter Wohngemeinschaften. Auch der paritätische Gesamtverband lehnt einen "dritten Sektor" im SGB XI ab.
Die 15 CDU-Abgeordneten argumentieren nun vor allem mit den Kosten. Es sei keine Option, im Zuge der Pflegereform einerseits Leistungen einzuschränken, "ohne gleichzeitig kostensenkende Modelle zu ermöglichen". Zudem verweisen sie darauf, dass auch der Koalitionsvertrag eine Weiterentwicklung gemeinschaftlicher Wohnformen vorsieht.