Damit Mitarbeiter Gesundheitsangebote auch wirklich nutzen
Gesundheitsangebote gibt es in vielen Pflegeeinrichtungen – nur kommen sie bei den Mitarbeitern nicht immer an. Die Doreafamilie setzt deshalb seit 2021 auf Gesundheitsbotschafter (Foto). In ihrem Berliner Haus mit 63 Plätzen und mehr als 80 Beschäftigten gibt es in jedem der drei Wohnbereiche einen. Sie erinnern an Fitnessangebote und Gesundheitsfrühstücke, helfen bei der Anmeldung zum Firmenfitnessprogramm und sprechen Kollegen auch direkt auf rückenschonendes Arbeiten oder ausreichendes Trinken bei Hitze an.
Doreafamilie Berlin
Simone Wodtke ist eine der drei Gesundheitsbotschafter der Doreafamilie Berlin
Der Ansatz ist simpel: Informationen allein reichen oft nicht. "Es schauen eben doch nicht alle aufs Schwarze Brett", sagt Nicole Schulz, Einrichtungsleiterin der Doreafamilie Berlin in Zehlendorf, früher Villa Grüntal. Deshalb gibt es in jedem Wohnbereich einen Gesundheitsbotschafter, der das Thema im Team präsent hält.
Das kann schon mit einem Satz beginnen wie: "Morgen bei der Fitness-Session – da bist du doch dabei?" Die persönliche Ansprache schafft Verbindlichkeit und macht deutlich, dass die Teilnahme erwünscht ist. Das gilt ebenso für das monatliche Gesundheitsfrühstück. Am Vortag erinnern die Botschafter die Kollegen daran, kein eigenes Pausenessen mitzubringen. Am nächsten Morgen achten sie mit darauf, dass die Mitarbeiter tatsächlich ihre Pause machen.
Fitnessbotschafter gehen mit wachem Blick durchs Haus
Die Gesundheitsbotschafter sind außerdem Anlaufstelle für praktische Fragen. Die Doreafamilie beteiligt sich beispielsweise an einem Fitnessstudioverbund und übernimmt den größten Teil des Beitrags. Mitarbeiter zahlen nach Angaben von Schulz 20 Euro. Wer nicht weiß, wie die Anmeldung über die App funktioniert, bekommt Unterstützung. "Viele möchten das einfach persönlich erklärt bekommen", sagt Schulz.
Auch Arbeitsschutz gehört dazu. Fällt einem Botschafter auf, dass eine Pflegekraft den Lifter nicht benutzt oder sich ein Mitarbeiter aus Pflege, Reinigung oder Hauswirtschaft ungünstig bückt, spricht er das direkt an und weist eventuell auch auf die internen Schulungen zu rückenschonendem Heben, Tragen, Lagern und Mobilisieren durch einen Physiotherapeuten hin.
Auch bei Hitze sehen die Botschafter es als ihre Aufgabe, die Kollegen daran zu erinnern, ausreichend zu trinken und Erfrischendes mit zum Dienst zu nehmen.
Mit Fotos von leckeren Snacks zu gesunder Ernährung anregen
Die Gesundheitsbotschafter gibt es an allen rund 40 Standorten des Unternehmens. Sie tauschen sich einmal monatlich über Teams aus und geben Rückmeldung, welche Angebote funktionieren und wo neue Ideen gebraucht werden. Koordiniert wird das Programm aus der Doreafamilie-Zentrale.
So entstehen auch kleine Maßnahmen, die wenig kosten. Eine Arbeitsgruppe zum gesunden Essen hat beispielsweise Fotos von Brotboxen mit gesunden Snacks gemacht und als Anregung für gesunde Pausensnacks ausgehängt.
Sollten sie gefragt werden, weisen sie auch auf Angebote zur Rauchentwöhnung oder andere Gesundheitsprogramme hin. Doch drängen sie sich nicht auf und sprechen Kollegen nicht ungefragt auf ihr möglicherweise wenig gesundheitsförderndes Verhalten an. Was die Botschafter im Alltag so wirksam macht, ist die freundliche Beiläufigkeit, mit der sie das Thema Gesundheit ansprechen,
Kirsten Gaede