Eine Pflegehilfskraft ist bei einer pflegerischen Frage unsicher und braucht fachliche Unterstützung. Im geplanten Modell kann sie eine zusätzliche Pflegefachkraft per Video- und Audioverbindung hinzuziehen. Diese soll die Situation mitbeurteilen, die Mitarbeiter anleiten oder Aufgaben koordinieren. Auch die Übernahme von Dokumentationsaufgaben ist vorgesehen.
"Wichtig ist, dass die Pflegekraft vor Ort nicht ersetzt, sondern durch eine zusätzliche Pflegefachkraft entlastet wird", sagt Projektleiter Franz Wacker. Das BRK bezeichnet den Ansatz als "Virtuelles Pflegeheim". Im Mittelpunkt steht die Unterstützung durch pflegerische Expertise aus der Ferne.
Erst Abläufe erfassen, dann praktisch testen
Für Einrichtungsleitungen ist vor allem der Aufbau der Erprobung interessant: Das erste Projektjahr dient dazu, den Ist-Zustand im Haus zu erfassen und die praktische Umsetzung vorzubereiten. Im zweiten Jahr soll eine virtuell zugeschaltete Pflegefachkraft hinzukommen. Sie unterstützt das Team bei Tätigkeiten, leitet an oder delegiert Aufgaben. Im dritten Jahr folgt die Auswertung.
Das Pflegeheim Hofberg wurde gezielt als Projektstandort ausgewählt. Wacker suchte eine Einrichtung, die offen für neue Arbeitsweisen ist. Das Team habe Interesse gezeigt, zugleich aber fachlich kritisch nachgefragt. Auch die Leitung des Kreisverbands unterstützt das Vorhaben.
Nutzen und Übertragbarkeit noch offen
Das Projekt baut auf Wackers Masterarbeit auf, in der er die theoretische Machbarkeit untersucht hat. Im Rahmen seiner Promotion prüft er nun die Umsetzung im Pflegealltag. Die Universität Bayreuth begleitet die Forschung, das Bayerische Gesundheitsministerium fördert sie.
Die Auswertung soll zeigen, ob sich das Modell bewährt und auf andere stationäre Pflegeeinrichtungen übertragen lässt. Damit liefert Hofberg zunächst ein Beispiel für die strukturierte Erprobung von Telepflege. Ob die digitale Unterstützung tatsächlich entlastet und welche Aufgaben sich dafür eignen, muss der Praxistest klären.
