Tägliche News für das Management von Pflege und Wohnen im Alter

27. Juni 2026 | 15:57 Uhr Anzeige
Teilen
Mailen

Warum Pflegeheime ihre Digitalisierung priorisieren müssen

Digitalisierung ist im Sozialwesen längst kein Zukunftsthema mehr. Sie ist im Alltag angekommen, allerdings oft nur halb. Laut myneva Trendstudie Pflege & Soziales 2025 arbeitet knapp die Hälfte der Fachkräfte in teilweise digitalen Strukturen. Ein vollständig digitales, mobiles Arbeitsumfeld haben dagegen erst knapp 20 Prozent. 

myneva setzt bei der Digitalisierung auf ganzheitliche Lösungen

Für Pflegeheime ist das weniger eine technische Bestandsaufnahme, sondern viel mehr eine strategische Warnung. Denn die zentralen Belastungsfaktoren der Branche werden nicht kleiner: Fachkräftemangel, steigende Qualitätsanforderungen, wachsende Dokumentationspflichten und immer komplexere Abstimmungen. 

"Von einem Gedanken müssen wir uns verabschieden: Ich glaube nicht, dass Bürokratie weniger wird", sagt Sascha Platen, Head of Consulting DACH und Interim Country Leader Germany bei myneva. Genau darin liegt der entscheidende Management-Impuls: Wer Digitalisierung nur als Kostenblock betrachtet, unterschätzt ihren betriebswirtschaftlichen Kern. Es geht nicht um Technik um der Technik willen, sondern um Zeitgewinn, Prozesssicherheit und die Zukunftsfähigkeit der Versorgung.

Viele Einrichtungen haben erste Digitalisierungs-Schritte vollzogen

"Vor fünf Jahren hatten viele Einrichtungen nicht einmal flächendeckend Internet", erinnert sich Platen. Heute sind Tablets in der Dokumentation, digitale Tourenplanung oder sensorbasierte Sturzerkennung vielerorts etabliert. Auch die Telematikinfrastruktur (TI) eröffnet neue Möglichkeiten: Was früher ausgedruckt und mitgegeben werden musste, kann perspektivisch digital übermittelt werden.

Und doch ist der Weg noch lang. Platen verortet die Branche erst bei "20 bis 25 Prozent der möglichen Wegstrecke". Der größte Hebel liegt nicht mehr in einzelnen digitalen Insellösungen, sondern in integrierten Prozessen. Hier entscheidet sich, ob Digitalisierung entlastet oder zusätzlichen Aufwand produziert.

Digitalisierung muss an der Frage gemessen werden, ob sie spürbar Zeit im Arbeitsalltag spart. Dokumentation per Spracheingabe direkt am Einsatzort, digitale Kommunikationswege, KI-gestützte Zusammenfassungen, strukturierte Informationsflüsse, bessere Planung von Diensten und Ressourcen sind Antworten auf konkrete operative Engpässe.

Der myneva-Kurzguide zu KI im Sozialwesen beschreibt diese Entlastungslinie klar: KI kann den Dokumentationsaufwand reduzieren, Informationen bündeln, wiederkehrende administrative Tätigkeiten im Hintergrund unterstützen und Übersicht schaffen. Sie ersetzt keine fachliche Entscheidung, keine Empathie und keine professionelle Einschätzung. Aber sie kann den Rahmen dafür schaffen, dass Fachkräfte wieder mehr Zeit für genau diese Aufgaben haben.

Gerade für Leitungskräfte ist dieser Unterschied entscheidend. Wer Digitalisierung strategisch einführt, verspricht nicht die vollautomatische Pflege. Er schafft Strukturen, in denen qualifizierte Mitarbeitende weniger Zeit mit Suchen, Nachtragen, Abstimmen und Doppelerfassungen verlieren. Damit haben Teams mehr Zeit für die eigentliche Betreuung und die Qualität der Pflege steigt.

Demografischer Druck zwingt zum Handeln

Hinzu kommt der demografische Druck. Platen schätzt, dass sich bis 2028 entscheidet, ob Prozesse ausreichend effizient aufgestellt sind, um die kommenden Personaleinschnitte abzufedern. "Die einzige Lösung, die uns noch bleibt, ist Digitalisierung", sagt er. Wenn erfahrene Pflegekräfte ausscheiden und Nachwuchs zunehmend digitale Arbeitsumgebungen erwartet, wird der Digitalisierungsgrad einer Einrichtung auch zum Arbeitgeberargument.

Die Hürden sind bekannt: Finanzierung, fehlende Orientierung im Anbietermarkt und wachsende Systemkomplexität. Doch genau deshalb braucht es Managemententscheidungen, die über Einzeltools hinausgehen. Gefragt sind Plattformen, klare Verantwortlichkeiten, sichere Datenprozesse, Pilotprojekte mit messbarem Nutzen und ein konsequenter Blick auf Integration.

Am Ende lässt sich Digitalisierung im Pflegeheim auf eine einfache Formel bringen: Jede eingesparte Minute zählt. Oder wie Sascha Platen sagt: "Jede Minute, die wir einsparen können, ist wertvoll, damit Fachkräfte das tun können, weshalb sie ihren Beruf gewählt haben: mit Menschen arbeiten."

Lesen Sie mehr zu myneva und den digitalen Lösungen in der myneva Woche auf Care vor9.

Anzeige