Jan Grabow, verliebt in Zahlen von klein auf an
Fragt man in der Altenpflegebranche herum nach einem Experten hierfür oder dafür, lautet die Antwort oft: Jan Grabow. Ein junger, aufstrebender Geschäftsführer meinte sogar, der stets so fokussiert wirkende Wirtschaftsprüfer sei sein Sparringspartner schlechthin. Welch ein Glück also für die Branche, dass Grabow sich von Kindheit an zu Schreibtisch und Zahlen hingezogen fühlt. Ein No-Sports-Typ ist er trotzdem nicht. Vor allem Laufen, Wandern und Radfahren, so erzählt er im Fragebogen "Persönlich", helfen ihm heraus aus dem Zahlenlabyrinth.
privat
Jan Grabow fand die Arbeit am Schreibtisch schon als Kind faszinierend, sagt er
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Auch wenn es langweilig klingt – ich fand tatsächlich die Arbeit an einem Schreibtisch und Zahlen faszinierend. Später kam dann mein Beruf als Wirtschaftsprüfer, kurz WP, heraus, in dem man gestalten, etwas "in Bewegung" bringen und helfen kann, gute Entscheidungen zu treffen – das hat sich bis heute gehalten.
Wie sind Sie in die Altenpflege gekommen?
Über meine Tätigkeit als Werksstudent in einer spezialisierten WP-Gesellschaft und Prüfung von Zahlen bin ich zur Altenhilfe gekommen – wegen der Menschen bin ich geblieben. Ursprünglich habe ich die Pflegeeinrichtungen eher aus der Perspektive der Wirtschaftsprüfung kennengelernt. Je mehr Einblicke ich bekommen habe, desto klarer wurde mir, welche enorme gesellschaftliche Bedeutung gute Altenpflege hat – und dass es sich lohnt, hier Verantwortung zu übernehmen.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Bei meiner Arbeit geht es nicht nur um Zahlen, es geht um Menschen und darum, gute Entscheidungen zu treffen. Mich motiviert, gemeinsam mit Trägern Strukturen zu schaffen, die Pflegeeinrichtungen wirtschaftlich tragfähig machen – damit Mitarbeitende gute Arbeit leisten können und Bewohnerinnen und Bewohner gut versorgt sind. Außerdem schätze ich den intensiven Austausch mit Menschen, die für "ihre" Häuser brennen.
Was nervt Sie am meisten?
Mich stört die geringe Priorisierung der Pflegeversorgung in der Politik. Neben der Generationengerechtigkeit entscheidet Pflegepolitik mit darüber, ob ältere, pflegebedürftige, arme oder behinderte Menschen in der Mitte der Gesellschaft bleiben oder an den Rand gedrängt werden. Die Herausforderungen sind nicht in einer Legislaturperiode zu bewältigen – aber Weichenstellungen dürfen nicht aufgeschoben werden.
Ein Jahr Auszeit – was würden Sie machen?
Ich würde mir bewusst Zeit nehmen, um ohne Termindruck mit meiner Frau und unserem Wohnmobil rund um Europa zu reisen – gern auch abseits der bekannten Routen.
Wie schalten Sie ab?
Am besten draußen mit Bewegung und Sport: Spazierengehen, Fahrradfahren oder Laufen, ohne große Ambition auf Rekorde. Ansonsten auch gerne mit Spaß im kleinen Kreis mit Familie und Freunden – gutes Essen, ein Glas Bier, ein Gespräch, das nichts mit Arbeit zu tun hat. Dann kann ich sehr gut loslassen.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Tatsächlich gibt es da aktuell kein spezielles Buch. Ich muss mich berufsbedingt viel mit Gesetzen oder geplanten Reformen wie dem PNOG befassen. Ich freue mich, wenn ich am Wochenende in Ruhe Zeitung, eine Wohnmobil- oder Autozeitschrift lesen kann. Ansonsten interessiere ich mich auch stark für die deutsche Geschichte.
Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen?
Der letzte Kinofilm war "Mission: Impossible - The Final Reckoning" mit Tom Cruise. Kinobesuche hat es ansonsten in letzter Zeit keine gegeben. Ich sehe mir aber gerne im Fernsehen "alte Schinken" aus den 80er und 90er Jahren an.
Ihr Lieblingsessen?
Zu unseren Standards beim Kochen gehören Pasta-Gerichte oder eine Gemüsepfanne mit Fleisch aus dem Ofen – das passt.
Wohin geht’s im nächsten Urlaub?
Die nächste Wohnmobiltour geht dieses Mal zum Entschleunigen nach Dänemark. Hier haben wir uns Campingplätze am Meer gesucht, wo wir spazieren gehen und Fahrrad fahren, aber auch Neues entdecken können.
Wen würden Sie gerne mal treffen und warum?
Spannend fände ich ein Gespräch mit dem neuen Gesundheitsminister Herrn Linnemann, um ihm zu erklären, dass eine Tarifdeckelung die Leistungserbringer und die Versorgung gefährdet. Oder auch eine Erläuterung, dass eine energetische Sanierung verbindlich refinanziert werden muss, wenn die klimapolitischen Ziele erreicht werden sollen.
Wie und wo wollen Sie alt werden?
Meine Mutter ist 93 Jahre alt, sie lebt noch in den eigenen vier Wänden und fährt auch noch Auto. Das wäre toll, wenn sich das bei mir auch so entwickelt.
Jan Grabow arbeitet seit 1992 beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Curacon in Münster, das auf Gesundheits- und Sozialwesen spezialisiert ist. Inzwischen ist er Partner und Geschäftsführer und leitet das Ressort Altenpflege. Der 62-Jährige, geboren in Gießen, lebt heute mit seiner Frau in Duisburg.