Ambiente-Care-Chaos zieht Altenpflege in die Schlagzeilen
Die Pflege macht bundesweit in negative Schlagzeilen. Nach der abrupten Schließung der Ambiente-Einrichtung bei Hannover durch die Heimaufsicht am Donnerstag springen die großen Medien wie Bild, Spiegel, Focus, Tagesschau und RTL auf die Story auf, schildern Einzelschicksale und lassen nicht locker. Ambiente wehrt sich gegen die Behauptung, das Unternehmen sei insolvent, und ändert offenbar die Kommunikationsstrategie: Statt Hinhaltetaktik, ausstehende Gehälter würden bald bezahlt, schlüpft das Management nun in eine Opferrolle.
Ambiente Care
Die Heimaufsicht hat das Ambiente-Care-Haus in Laatzen bei Hannover geschlossen
"Die Schließung der Einrichtung erfolgte auf Anordnung der zuständigen Behörde, der Heimaufsicht", so Ambiente Care in einer Stellungnahme zum Chaos in Laatzen. "Nach unserer Einschätzung wurde uns die Möglichkeit verwehrt, im Rahmen dieses Prozesses alle zur Verfügung stehenden Optionen zur Vermeidung von Verlegungen auszuschöpfen. Vor diesem Hintergrund waren auch unsere eigenen Handlungsspielräume entsprechend begrenzt", lassen die beiden Geschäftsführer Karl Heinz Lukofnak und Michael Novak wissen.
Droht anderen Ambiente-Einrichtungen das gleiche Schicksal?
Kein Wort darüber, dass die Mitarbeiter nicht nur in Laatzen seit Monaten auf ihr Gehalt warten und immer wieder von der Unternehmensleitung vertröstet wurden. Den Versprechungen folgten jedoch keine Überweisungen, nur manchmal mit großer Verspätung oder lediglich Kleckerbeträge. Viele Mitarbeiter in Laatzen und anderen Ambiente-Einrichtungen fühlten sich für die Bewohner verantwortlich und hielten den Betrieb dennoch lange aufrecht – auch ohne Bezahlung. Doch irgendwann geht das nicht mehr. In Laatzen bei Hannover zog die Heimaufsicht vergangene Woche den Stecker. Die verbliebenen 59 Bewohner mussten das Haus quasi über Nacht verlassen. Jetzt ist es geschlossen.
Ob den anderen sechs Ambiente-Standorten das gleiche Schicksal bevorsteht, ist unklar. Ausstehende Gehälter waren vielerorts auch am Donnerstag noch immer nicht gezahlt, wie Mitarbeiter mehrerer Standorte gegenüber Care vor9 berichten. "Täglich häufen sich die Nachrichten über verzweifelte Kollegen in ganz Deutschland. Auch das März-Gehalt ist wieder ausgeblieben", schreibt eine Ambiente-Angestellte an die Redaktion.
Mitarbeiter von geschlossenem Haus nicht gekündigt
In Laatzen jedenfalls ist vorerst Schluss, das Haus leer. Alle Bewohner konnten mithilfe der Heimaufsicht in anderen Einrichtungen untergebracht werden, meldet die Hannoversche Allgemeine. Wie es mit den Mitarbeitern weitergeht, ist unklar. "Die Arbeitsverhältnisse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden durch unser Unternehmen nicht gekündigt", heißt es zwar in der Stellungnahme von Ambiente Care. Was die Angestellten in einer geschlossenen Einrichtung machen sollen und was mit ihren Gehältern geschieht, lässt Ambiente jedoch offen. Dennoch dementiert Ambiente "ausdrücklich die Gerüchte einer Insolvenz".
Von der bislang in Statements gegenüber Care vor9 vorgetragenen Hinhaltetaktik – man mache wegen der allgemein schwierigen Lage in der Pflege eine Durststrecke durch, aber bald werde alles besser – ist in der jüngsten Pressemeldung jedoch nichts mehr zu lesen. "Unabhängig von diesem Einzelfall (Laatzen, d. Red.) stehen wir auch an unseren weiteren Standorten in engem und konstruktivem Austausch mit den jeweiligen Heimaufsichten, um die professionelle und verlässliche Versorgung unserer Bewohnerinnen und Bewohner jederzeit sicherzustellen." Nachfragen, was das für die anderen Ambiente-Pflegeheime bedeutet, sind laut Ambiente Care zwecklos: "Zu weiteren Details äußert sich das Unternehmen derzeit nicht."
Thomas Hartung und Kirsten Gaede