Diakonie-Träger betreiben Online-Personalsuche halbherzig
Wenn Pflegeanbieter Stellen ausschreiben, setzen sie zu sehr auf gewohnte Kanäle und Formate. Die Folge ist, dass sie nur einen Teil der potenziellen Bewerber erreichen. So nutzen viele Social Media nur fürs allgemeine Marketing und haben vor allem Facebook und Instagram im Blick. Laut dem Ergebnis einer qualitativen Befragung des Bundesverbands diakonischer Einrichtungsträger (V3D) gibt es auch Defizite in der Nutzerfreundlichkeit, der Transparenz und bei den Reaktionszeiten auf eingehende Bewerbungen.
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Pflegeanbieter müssen sich schon richtig reinknien in die Personalakquise, um möglichst viele Bewerber auf sich aufmerksam zu machen
Der V3D hat 39 seiner Mitgliedsorganisationen anhand öffentlich zugänglicher Daten untersucht. Dazu zählen die Karrierebereiche auf den Websites der Unternehmen, Stellenanzeigen, Social-Media-Auftritte und Bewertungsplattformen. Ergänzend hat der Verband die internen Strukturen per Onlinebefragung erhoben. Bewertet wurden unter anderem die Nutzerfreundlichkeit, die Zielgruppenansprache, die Interaktion und die Transparenz. Daraus wurde ein Score für den Reifegrad des digitalen Personalmarketings abgeleitet.
Der durchschnittliche Gesamtscore liegt bei 43 Prozent. Der Spitzenwert beträgt 74 Prozent, das Schlusslicht kommt auf 21 Prozent. Die Spannweite ist erheblich. Defizite zeigen sich besonders deutlich bei Social Media. Zwar sind Instagram (53 Prozent) und Facebook (46 Prozent) weit verbreitet, sie dienen aber überwiegend dem allgemeinen Image. Karrierebezogene Inhalte machen weniger als die Hälfte der Beiträge aus. Linkedin erreicht lediglich 37 Prozent des möglichen Scores.
Wichtig, aber kaum genutzt: Tiktok oder Youtube-Shorts
Besonders gravierend ist, dass Kanäle mit hoher Reichweite bei jüngeren Zielgruppen, wie Tiktok oder Youtube-Shorts, mit jeweils acht Prozent kaum genutzt werden, obwohl die Interaktionsraten dort am höchsten sind.
Auch bei der Karriereseite als zentralem Ankerpunkt gibt es Schwächen. Zwar sind alle Seiten mobiloptimiert, doch rund 70 Prozent der Organisationen verzichten auf Bereiche für häufige Fragen (FAQ) oder eine klare Darstellung des Bewerbungsprozesses. Nur acht Prozent der Organisationen bieten moderne Kontaktmöglichkeiten wie Chat-Tools oder Whatsapp an.
Anforderungen in den Stellenanzeigen oft nicht priorisiert
Die Stellenanzeigen schneiden mit 47 Prozent ebenfalls unterdurchschnittlich ab. Besonders kritisch ist, dass nur 28 Prozent klar kennzeichnen, welche Anforderungen zwingend erforderlich sind und welche optional. Umfangreiche, nicht priorisierte Anforderungskataloge erhöhen die Hürde für Bewerber. Wer nicht jeden Punkt erfüllt, bewirbt sich oft gar nicht erst.
Hinzu kommt, dass der Recruiting-Prozess nicht reibungslos verläuft: 94 Prozent der befragten Organisationen berichten von ganz oder teilweise zu langen Reaktionszeiten ihres Unternehmens auf Bewerbungen. So laufen sie Gefahr, dass andere ihnen zuvorkommen. Zudem macht es einen schlechten Eindruck, der sich in einem regionalen Markt schnell herumsprechen kann.