Die junge Livora Holding schrecken insolvente Heime nicht ab
Branchenkenner haben aufgehorcht, als Jan Strubbe (links) und Christopher Steinemann (rechts) im Januar verkündeten, mit ihrer erst im vergangenen Jahr gegründeten Livora Holding gleich vier insolvente Pflegeeinrichtungen zu übernehmen. "Die Ausgangslagen in den Häusern waren von Beginn an unterschiedlich", sagt Strubbe im Gespräch mit Care vor9. "Aber alle Standorte konnten bereits wichtige und sehr positive Schritte umsetzen."
Livora
Jan Strubbe (links) und Christoph Steinemann (rechts) wollen sich mit Livora auf den norddeutschen Raum konzentrieren
Strubbe und Steinemann haben die vier insolventen Pflegeheime von der Care Life Holding übernommen. Sie liegen alle in Niedersachsen: in Rastede, Nordenham, Barßel und Kneitlingen. Zu Livora gehört zudem das Seniorenzentrum Haus Georg in Lingen, das bereits im Herbst übernommen wurde.
Strubbe und Steinemann sind mit je 50 Prozent an der Livora Holding GmbH beteiligt, wobei Steinemann seine Anteile über seine Corvus Holding hält. Beide sind alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer. Das Unternehmen wurde im Juli vergangenen Jahres in Berlin gegründet, hat seinen Sitz aber inzwischen nach Bremen verlegt.
Die beiden Gründer kennen Unternehmenskrisen aus eigener beruflicher Erfahrung: Der Pflegemanager Strubbe arbeitete bis August vergangenen Jahres für Ambiente Care, ein Unternehmen, das seit Monaten wegen finanzieller Nöte Schlagzeilen macht. Steinemann war beim Pflegeanbieter Convivo aktiv, der pleite ging, und später für die ebenfalls insolvente Levantus-Gruppe.
Das soll mit Livora nicht passieren. "In unseren bisherigen Stationen konnten wir viele Erfahrungen sammeln, die wir nun in unser eigenes Handeln überführen konnten", sagt Strubbe. "Eine zentrale Erkenntnis daraus war für uns, möglichst schnell eigene Versorgungsverträge zu erhalten." Dies habe man auch zügig erreicht. "Seit März können wir für alle neuen Standorte über eigene Versorgungsverträge abrechnen."
Ein weiteres Learning aus der Vergangenheit sei die Bedeutung einheitlicher Strukturen. "Deshalb haben wir bereits Ende Januar begonnen, ein gemeinsames System für die Pflegedokumentation inklusive Verwaltung und Dienstplanung zu implementieren", berichtet Strubbe. Er und Steinemann hätten zudem Mitarbeiterversammlungen veranstaltet, um Fragen zu beantworten und den Mitarbeitern Sicherheit zu vermitteln. "Dabei haben wir aber auch offen kommuniziert, dass es neben vielen guten Dingen aus der Vergangenheit auch Veränderungen geben wird", so Strubbe.
Bei den jetzt fünf Pflegeeinrichtungen soll es nicht bleiben. Livora will weiter wachsen. "Entscheidend für uns sind das Konzept der Einrichtung und die Perspektive nach unserer internen Prüfung, weniger der konkrete Anlass für den Verkauf. Daher schließen wir auch künftig Übernahmen aus der Insolvenz nicht aus", sagt Strubbe. Aber Livora hält auch nach Häusern Ausschau, deren Betreiber aus Altersgründen Nachfolger suchen.
Kirsten Gaede