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4. Februar 2026 | 07:00 Uhr
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Digitale Pflegedokumentation oft noch zu umständlich

Digitale Pflegedokumentation soll Pflegekräfte entlasten. Aber hält sie ihr Versprechen? Eine Feldstudie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) zeigt: Die Bedienbarkeit hat sich seit 2018 verbessert, dennoch bleiben viele Programme umständlich. Sechs Pflegedokumentationssysteme wurden 2024 in zwölf stationären Einrichtungen getestet. Die Software setzt das Strukturmodell inzwischen deutlich besser um, doch Pflegekräfte sehen weiterhin Verbesserungspotenzial.

Häufig sei die Dokumentation verwirrend, so das Fazit der Pflegekräfte: unklar gestaltete Bedienfelder, überflüssige Auswahlmöglichkeiten und, und, und... 

Die BGW hat 2024 zum zweiten Mal Software für die Pflegedokumentation in Pflegeheimen untersucht. Dieses Mal fand die Untersuchung direkt in den Einrichtungen statt. Sechs aktuelle Programme hat die Berufsgenossenschaft in zwölf Pflegeheimen systematisch evaluiert: DM7 Stationär, Vivendi PD, C&S Pflegemanager SQL stationär, Go On Pflegedokumentation, Medifox Dan Stationär und Myneva Heimbas. 

Die zentrale Frage lautete: Wie gut lässt sich die Software im Arbeitsalltag nutzen? Denn schon kleine Hürden können den Arbeitsfluss stören. Zu viele Klicks bis zur gewünschten Funktion, unklare Buttons oder unnötige Pop-ups kosten Zeit und begünstigen Fehler. Eine Pflegekraft brachte es im Test so auf den Punkt: "Das waren jetzt drei bis vier Klicks, um überhaupt erst anzufangen."

Besser als beim letzten Test

Positiv fiel auf, dass sich die Umsetzung des Strukturmodells deutlich verbessert hat. Während im ersten BGW-Test 2018 die Programme im Schnitt nur 70 Prozent des Anforderungsprofils erfüllten, lag der Wert 2024 bei 88 Prozent. Zwei der sechs Systeme bildeten die strukturierte Informationssammlung inzwischen vollständig korrekt ab. Besonders beim Berichteblatt zeigte sich der Fortschritt: Fünf Programme erfüllten hier alle Anforderungen.

Auch aus ergonomischer Sicht schnitten die aktuellen Systeme besser ab. Gegenüber 2018 waren sie um knapp ein Drittel stärker an ergonomischen Prinzipien ausgerichtet. Verbesserungen gab es vor allem bei der Evaluation und beim Maßnahmenplan. Dennoch sehen die Tester weiterhin Spielraum.

Pflegekräfte nannten konkrete Funktionen, die den Arbeitsalltag erleichtern. Rechtschreibprüfungen und Tastenkürzel sparen Zeit. Mouse-over-Erklärungen helfen bei der Orientierung. Rückfragen vor dem Abschluss verhindern versehentliche Löschungen. Visuelle Rückmeldungen wie Statusampeln geben Sicherheit.

Ein halbes Dutzend Kritikpunkte

Gleichzeitig äußerten die Testpersonen Kritik. Uneinheitliche Funktionsbezeichnungen, unklare Begriffe und schlecht gestaltete Bedienfelder erschweren die Arbeit. Als störend empfanden sie auch überflüssige Auswahlmöglichkeiten, einen unklaren Bearbeitungsstatus von Maßnahmenplänen, komplizierte Terminierungen oder parallele Pläne mit ähnlichen Bezeichnungen. Hinzu kamen fehlende oder mangelhafte Rechtschreibprüfungen und aufdringliche Pop-ups.

Das Fazit der BGW fällt nüchtern aus. Die Bedienfehler sind weniger geworden, die fachliche Umsetzung ist deutlich besser als vor sechs Jahren. Dennoch orientieren sich viele Programme noch zu wenig an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer. Trotz guter und sehr guter Ergebnisse bei der Gebrauchstauglichkeit waren die Pflegekräfte nicht durchgängig zufrieden.

Für Einrichtungen bedeutet das: Die Auswahl von Pflegedokumentationssoftware bleibt eine komplexe Entscheidung. Neben rechtlicher Sicherheit und fachlicher Korrektheit entscheidet die Alltagstauglichkeit darüber, ob digitale Dokumentation tatsächlich Zeit spart – oder neue Belastungen schafft.

Der komplette Test steht auf der Website der BGW kostenlos zum Download bereit.

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