Domus Cura sieht schon wieder Wachstum am Horizont
Der in Turbulenzen geratene Pflegeanbieter Domus Cura will sich mit neuer Führungsspitze sanieren, neu aufstellen und dann als regionaler Player im Südwesten wieder wachsen. Konkret soll noch in diesem Jahr ein 200-Betten-Haus dazukommen, kündigt der geschäftsführende Gesellschafter der Gruppe, Fred Vincent Maleika, im Gespräch mit Care vor9 an. Eine weitere Expansion sieht er allerdings nicht mehr im stationären Bereich, sondern eher im Servicewohnen und in der ambulanten Pflege.
Domus Cura
Das Haus Emilie von Domus Cura in Völklingen bleibt von einer Insolvenz verschont
Bevor Maleika sich allerdings über neues Wachstum freuen kann, steht erst einmal eine Restrukturierung der Domus-Cura-Gruppe an. Dafür hat er Peter Paul Gruber an Bord geholt. Der erfahrene Gesundheitsmanager war unter anderem CEO der Curata-Pflegegruppe, die vor drei Jahren eine Sanierung in Eigenverwaltung durchlaufen hat. Dies steht nun auch zwei Tochtergesellschaften von Domus Cura bevor.
Maleika hat Gruber zum Geschäftsführer der einzelnen Betriebsgesellschaften von Domus Cura und zum Prokuristen mit vollen Befugnissen der Holding ernannt. Zwei der Tochtergesellschaften, die Pflegewohnpark Glück im Winkel Betriebsgesellschaft mbH und die Pflegezentrum Crailsheim GmbH, haben Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Für diese zieht Gruber nun unter gerichtlicher Aufsicht ein Sanierungsverfahren durch. Betroffen sind drei Standorte in Crailsheim, Neunkirchen und Michelbach.
Acht von elf Einrichtungen sollen bei Domus Cura bleiben
Außer den drei Sanierungsstandorten bleiben fünf weitere bei Domus Cura: die Seniorenresidenz Leonberg bei Stuttgart mit Platz für 200 Bewohner, die Seniorenresidenz im Taubenfeld in Quierschied bei Saarbrücken mit aktuell 86 Bewohnern, das Haus am Talbach im saarländischen Schmelz-Limbach mit 52 Pflegebedürftigen, das Haus Emilie in Völklingen mit 133 vollstationären Plätzen und das Haus Obentraut im rheinland-pfälzischen Stromberg mit 101 Plätzen. Diese fünf Einrichtungen sowie die Zentrale sollen restrukturiert werden.
Die Domus-Cura-Einrichtungen in Hildesheim bei Hannover und Hüffenhardt im Odenwald durchlaufen eine Regelinsolvenz und werden somit nicht von Domus Cura weitergeführt. Wie es mit ihnen weitergeht, ist nun Sache der vorläufigen Insolvenzverwalter. Die Residenz Sonneneck im Odenwald-Städtchen Osterburken, die auf der Homepage noch gelistet ist, gehört nicht mehr zur Gruppe. Die Einrichtung für betreutes Wohnen wurde herausgelöst und wird nun vom bisherigen Domus-Cura-Geschäftsführer Christian Ersing betrieben.
Zeitarbeitstochter Pflegstar ebenfalls insolvent
Ein Grund für die Probleme von Domus Cura ist der Personalmangel. Dieser führte zu extrem hohen Kosten durch den Einsatz von Leasingkräften, sagt Maleika. Dies soll jetzt auf ein vertretbares Maß zurückgeführt werden. In diesem Zusammenhang gibt Domus Cura die eigene Zeitarbeitsvermittlung auf. Die Tochtergesellschaft Pflegstar GmbH, die dieses Geschäft für die Einrichtungen der Gruppe und andere Kunden betrieben hat, meldete am 23. Februar in Stuttgart Insolvenz an. Weitere Insolvenzen soll es laut Maleika nicht geben.
Mit 200-Betten-Haus bei Karlsruhe wieder wachsen
Der Domus-Cura-Gesellschafter plant im Gegenteil, wieder zu expandieren: Konkret will er im Frühsommer eine Einrichtung mit 200 Plätzen bei Karlsruhe übernehmen. Grubers wichtigste Aufgabe ist allerdings die Restrukturierung der verbliebenen Domus-Cura-Einrichtungen, die allesamt stationäre Pflegeheime sind. Daran will Maleika auch nichts ändern.
Eine Expansion in der stationären Langzeitpflege ist allerdings nicht geplant. Er und Gruber sehen mehr Chancen im Servicewohnen und in der ambulanten Pflege. Für beide ist auch klar, dass sie sich künftig auf den Südwesten Deutschlands beschränken werden. Einen regionalen Ausreißer wie Hildesheim werde es nicht mehr geben.
Thomas Hartung