Gematik drückt bei TI 2.0 aufs Tempo
Die Gematik will die Modernisierung der Telematikinfrastruktur beschleunigen. Die bislang oft komplizierte Technik mit Konnektoren soll schrittweise durch deutlich einfachere virtuelle Lösungen ersetzt werden. Zugleich bereitet die Gematik den Aufbau einer neuen Plattformarchitektur vor. In einem interoperablen Umfeld sollen dann bald Anwendungen wie E-Rezept, KIM oder weitere digitale Dienste sinnvoll zusammenwirken.
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Die TI 2.0 funktioniert ohne physischen Konnektor in der Einrichtung. Dadurch wird der Zugriff auf die verschiedenen Telematik-Dienste auch mobil möglich
Die Gesellschafter der Gematik haben den Weg für die nächste Ausbaustufe der Telematikinfrastruktur (TI) freigemacht. Die Gematik will die sogenannte TI 2.0 schneller umsetzen und damit auch die technische Grundlage für eine neue Plattformarchitektur im Gesundheitswesen schaffen. Schon seit einiger Zeit verliert die klassische TI mit ihren Konnektoren an Bedeutung. Statt spezieller Hardware vor Ort setzt die TI 2.0 auf digitale Identitäten, moderne Sicherheitsverfahren und virtuelle Anbindung.
Gerade für den ambulanten Bereich ist die neue Architektur ein Gewinn. Sie bedeute, dass sich mobile Anwendungen viel einfacher anbinden lassen, sagt Andreas Fischer, Geschäftsführer des Software- und Abrechnungsdienstleisters Opta Data. Statt eines physischen Konnektors in der Einrichtung wird bei der TI 2.0 eine Art gesicherte Software-Verbindung zu einem zentral betriebenen virtuellen Konnektor aufgebaut.
Einfacherer Zugriff auf TI-Dienste durch mobile Anwendungen
Der Vorteil: Installation, Betrieb, Wartung und Support werden deutlich einfacher. "Wir bieten seit Jahresbeginn nur noch Lösungen an, die auf den künftigen TI-2.0-Zugang ausgerichtet sind“, sagt Fischer. Die Technologie sei bereits verfügbar und reduziere die Komplexität erheblich. Für die Praxis bedeutet die Weiterentwicklung der TI vor allem mehr Mobilität. Pflegekräfte sollen künftig einfacher über mobile Anwendungen auf TI-Dienste zugreifen können. Besonders wichtig sind dabei zwei Kommunikationslösungen: KIM und TIM.
KIM ("Kommunikation im Medizinwesen") ist bereits heute die sichere E-Mail-Infrastruktur des Gesundheitswesens und kann von angebundenen Pflegeeinrichtungen genutzt werden. Mit der TI 2.0 und neuen Zugangswegen wie dem TI-Gateway könnte die Nutzung solcher Dienste künftig deutlich einfacher und mobiler werden. Nach Einschätzung Fischers ist genau das für die Pflege entscheidend: Die Anwendungen müssen dort verfügbar sein, wo Versorgung stattfindet, nicht nur am stationären Arbeitsplatz.
Über Messenger-Dienst TIM mit Patienten und Angehörigen kommunizieren
Hinter dem Kürzel TIM verbirgt sich ein datenschutzkonformer Messenger-Dienst innerhalb der Telematikinfrastruktur. Über TIM könnten Pflegeeinrichtungen künftig nicht nur mit Ärzten oder anderen Leistungserbringern kommunizieren, sondern auch sicher mit Angehörigen und Patienten. Fischer spricht von einer "Riesenerweiterung" der bisherigen Möglichkeiten.
Voraussetzung für all diese Anwendungen ist jedoch die beschleunigte Umstellung auf die TI 2.0, die nun auch die Gematik vorantreiben will. Parallel dazu soll eine neue Plattformarchitektur entstehen. Bislang werden viele Anwendungen des Gesundheitswesens technisch weitgehend getrennt voneinander betrieben. Doch in Zukunft sollen zentrale Dienste gebündelt auf einer gemeinsamen Infrastruktur laufen. Anwendungen wie das E-Rezept würden dann auf gemeinsame technische Komponenten zugreifen, statt jeweils eigene Systeme vorzuhalten.
Nach Vorstellung der Gematik soll dies die Telematikinfrastruktur leistungsfähiger, einfacher und kostengünstiger machen. Gleichzeitig sollen offene Schnittstellen und Open-Source-Technologien Innovationen fördern.