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22. Juni 2026 | 07:00 Uhr
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Über den Umgang mit dem Telematik-Frust

Die Digitalisierung in der Pflege kommt voran, wenn auch langsamer als erhofft. Gerade bei der Einbindung in die Telematikinfrastruktur ruckele es, waren sich Vertreter der Trägerverbände BPA und VDAB und des Verbands für digitale Standards in der Pflege (VdSP) auf dem Opta-Data-Zukunftskongress einig. Doch es gebe auch Grund zur Zuversicht, sagte VdSP-Vorstand Andreas Fischer (Foto). Gerade das Pflegeneuordnungsgesetz könne Rückenwind bringen.

Andreas Fischer vom Verband für digitale Standards fordert neun Milliarden Euro für die Digitalisierung

Auch Sandra Stange, Digitalisierungsreferentin beim Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) äußerte sich vorsichtig optimistisch: Die Einrichtungen stünden längst nicht mehr am Anfang. Rund 84 Prozent der Pflegeeinrichtungen hätten die notwendigen SMC-B-Karten beantragt. Das bedeute zwar noch nicht, dass alle diese Einrichtungen tatsächlich an die TI angeschlossen seien, zeige aber, dass die Branche das Thema inzwischen ernst nehme. Die Bereitschaft und das Verständnis für die Potenziale von Digitalisierung und TI seien deutlich gestiegen.

Frust gibt es dennoch. Viele Einrichtungen hätten investiert, seien seit Langem angeschlossen, könnten aber die versprochenen Vorteile bislang kaum nutzen, kritisierte der Hauptgeschäftsführer von Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB), Thomas Knieling. Oft seien zunächst hohe Investitionen erforderlich, während konkrete Erleichterungen im Alltag ausblieben. 

Pflegeanbieter wollen die Vorteile der TI jetzt nutzen und nicht erst in ein paar Jahren 

Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten durchaus attraktiv. Für die Pflege besonders relevant seien elektronische Verordnungen, eine bessere Steuerung der Medikation und eine digital unterstützte Überleitung aus den Krankenhäusern, sagte Stange. Gerade an den Schnittstellen zwischen Kliniken, Ärzten und Pflegeeinrichtungen ließen sich erhebliche Effizienzgewinne erzielen.

Opta-Data-Geschäftsführer Fischer plädierte dennoch dafür, den Blick stärker auf die Chancen als auf die Probleme zu richten. Die Politik habe sich nun einmal entschieden, zunächst den Anschluss an die Telematikinfrastruktur voranzutreiben. Jetzt komme es darauf an, dass möglichst viele Einrichtungen die Möglichkeiten tatsächlich nutzen. Der VdSP wolle deshalb praktische Unterstützung leisten und Betreibern auf dem Deutschen Pflegetag Hilfestellung bei konkreten Fragen und Anträgen anbieten.

Verband für digitale Standards fordert neun Milliarden Euro für die Digitalisierung 

Besonders positiv bewertet Fischer die geplanten Digitalisierungsinvestitionen im Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG). Es sei ein wichtiges Signal, dass die Politik überhaupt zusätzliche Mittel bereitstelle, auch wenn die vorgesehenen 1,5 Milliarden Euro zu wenig seien. Nach Einschätzung des VdSP seien neun Milliarden Euro notwendig – das hat der Verband gleich bei Bekanntwerden des Referentenentwurfs die Politik auch wissen lassen. 

Einigkeit herrschte darüber, dass Pflegeverbände künftig eine wichtige Rolle spielen müssen. Sie sollen Orientierung bieten, Schulungen organisieren, die Interessen der Pflege in den zuständigen Gremien vertreten und vor allem die konkreten Vorteile digitaler Anwendungen verständlich machen. Denn viele Pflegeanbieter wollten vor allem wissen, welchen Nutzen die Technik heute bereits im Alltag bringt – und nicht erst in einigen Jahren.

Kirsten Gaede

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