Glücklose deutsche Pflegekammern
Pflegekammern gibt es in vielen Ländern, in Großbritannien sogar schon seit über 100 Jahren. Viele führen die hohe Qualität der Pflege dort nicht zuletzt auf diese strenge Institution im Herzen von London zurück. In Deutschland aber haben Pflegekammern eine schlechten Stand. Von einst vier Kammern sind die niedersächsische und schleswig-holsteinische schon vor rund fünf Jahren gekippt, nun verliert auch die erste deutsche Pflegekammer in Rheinland-Pfalz Vertrauen und Unterstützung der Landespolitik.
Die Pflegekammer in Rheinland-Pfalz, 2016 als erste ihrer Art gestartet, gerät nach juristischen Rückschlägen, organisatorischen Problemen und anhaltender Kritik massiv unter Druck. Selbst ihr Fortbestand wird inzwischen offen diskutiert. Beim Krisengespräch in Mainz wurde Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) sehr deutlich: Er forderte schnelle Nachbesserungen, insbesondere bei Haushalts- und Mitgliederführung. Ergebnisse soll die Kammer kurzfristig vorlegen.
Diese Entwicklung ist kein Einzelfall. Bereits 2021 wurden die Pflegekammern in Niedersachsen und Schleswig-Holstein wieder abgeschafft – nach massiven Protesten, vor allem wegen der Pflichtmitgliedschaft und der Beitragspflicht.
Aktuell existieren damit nur noch zwei Kammern: neben Rheinland-Pfalz die in Nordrhein-Westfalen. Dort gilt das Modell bislang als stabiler – unter anderem, weil sie in der Aufbauphase 2022 und 2023 ohne unmittelbare Beitragspflicht startete und erst später mit einem sehr moderaten Betrag die Beitragspflicht einführt hat.