Kaum Zahlen zu Abrechnungsbetrug von Pflegediensten
Laut Bundesregierung wurden 2024 rund 20.500 Verdachtsfälle von Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen registriert – nach rund 2.000 bis 2.700 Fällen in den Vorjahren. Der massive Anstieg geht vor allem auf ein Großverfahren in Schleswig-Holstein zurück, in dem es um die Abrechnung von nie ausgeführten Blutuntersuchungen in einem Labor geht. Welchen Anteil die Pflegedienste über all die Jahre jeweils an den Verdachtsfällen haben, lässt sich nicht sagen, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion.
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So einfach lässt sich Abrechnungsbetrug gar nicht aufdecken. Die Bundesregierung hofft deshalb auf mehr Wirkung durch KI
Zu zentralen Fragen – etwa wie viele Fälle auf Pflegedienste entfallen oder wie oft tatsächlich fingierte Pflegeleistungen vorlagen – liegen der Bundesregierung keine eigenen Erkenntnisse vor. In ihrer Antwort verweist die Bundesregierung auf Kontrollen durch den Medizinischen Dienst (MD) seit 2015. Außerdem heißt es, die Fehlverhaltensbekämpfung solle stärker zentralisiert werden: Alle Kassenverbände würden eingebunden, Datenzugriffe erweitert und KI zur Auswertung genutzt. Auch soll eine bundesweite Betrugsdatenbank aufgebaut werden.
Parallel sollen Versicherte über die elektronische Patientenakte (ePA) leichter nachvollziehen können, welche Leistungen abgerechnet wurden – und Auffälligkeiten direkt melden können.
KI könnte künftig eine zentrale Rolle bei der Aufdeckung spielen
Die Bundesregierung begrüßt darüber hinaus den Beschluss des GKV-Spitzenverbandes, eine Studie zum Dunkelfeld von Fehlverhalten im Gesundheitswesen zu beauftragen. Eine solche Studie an sich verhindere allerdings grundsätzlich keine Situation, die zu Fehlverhalten im Gesundheitswesen führt oder solches begünstigt, heißt es. Es sei deshalb wichtig, bei der Bekämpfung von Fehlverhalten die Wirksamkeit der Mittel im Blick zu behalten.
Abschließend erwähnt die Bundesregierung in ihrer siebenseitigen Antwort noch die Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Zukunftspakt Pflege", die sich darauf verständigt habe, die Bekämpfung von Fehlverhalten mittels KI-Einsatz weiterzuentwickeln.