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14. Mai 2026 | 21:02 Uhr
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Pflege nutzt Förderung für internationale Anwerbung kaum

Obwohl viele Pflegeeinrichtungen internationale Pflegekräfte gewinnen wollen, nutzen die wenigsten bestehende Fördermöglichkeiten. Das zeigt eine Studie der Hochschulen Neubrandenburg und der Bundesagentur für Arbeit im Auftrag der Initiative Match Pflege. Zwar halten 58 Prozent der Einrichtungen eine Förderung für einen entscheidenden Faktor bei der Rekrutierung. Doch haben 82 Prozent sie bislang nicht genutzt. Als Hauptgründe nennen sie Bürokratie, fehlende Informationen und mangelnde personelle Ressourcen.

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Bürokratische Hürden schrecken Pflegeanbieter vor der Rekrutierung internationaler Fachkräfte ab

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Die internationale Anwerbung von Pflegefachkräften entwickelt sich für viele Einrichtungen zunehmend zur Überlebensstrategie. Vor allem stationäre Einrichtungen reagieren damit auf anhaltende Personalengpässe. Eine Pflegedienstleitung aus der stationären Altenpflege beschreibt die Lage drastisch: "Die Bewerbungsmappen bleiben leer, wenn wir nicht international rekrutieren, schließen wir bald den Wohnbereich."

Laut Studie haben bislang nur 26 Prozent der befragten Einrichtungen internationale Pflegekräfte rekrutiert. Gleichzeitig planen 60 Prozent, in den kommenden fünf Jahren Fachkräfte aus dem Ausland einzustellen. Besonders kleinere und mittlere Einrichtungen tun sich jedoch schwer. Ihnen fehlen häufig Personal, Zeit und Erfahrung, um internationale Fachkräfte zu anzuwerben und zu integrieren oder Förderanträge zu bearbeiten. "Wir arbeiten im kleinen Team, da muss alles sofort sitzen", erklärt eine Leitungskraft aus einem ambulanten Pflegedienst.

Förderung bleibt wegen Bürokratie oft ungenutzt

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Förderung nach § 81 SGB III aus dem Qualifizierungschancengesetz. Sie ermöglicht unter anderem Zuschüsse für Sprachkurse, Anpassungsqualifizierungen und Anerkennungsverfahren ausländischer Abschlüsse. Obwohl mehr als die Hälfte der Befragten die Förderung als wichtig für ihre Rekrutierungsentscheidung bewertet, nutzen sie nur wenige Einrichtungen tatsächlich. 82 Prozent gaben an, bislang keine Förderung beantragt zu haben.

Die Gründe dafür sind laut Studie vor allem bürokratische Hürden. 67 Prozent nennen den Verwaltungsaufwand als größte Herausforderung. Hinzu kommen lange Bearbeitungszeiten, fehlende Ansprechpartner und mangelnde Informationen über Fördermöglichkeiten. Viele Einrichtungen berichten von komplizierten Verfahren und widersprüchlichen Auskünften. 
"Allein die Unterlagen zusammenzubekommen, ist ein Vollzeitjob", sagt die Bereichsleitung eines Pflegeanbieters. Andere Einrichtungen hätten geplante Maßnahmen wegen des Aufwands wieder aufgegeben.

Kleine Träger besonders benachteiligt

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Trägern. Größere Verbünde verfügen häufig über spezialisierte Personal- oder Verwaltungsabteilungen und können Förderprogramme routinierter nutzen. Kleine ambulante Dienste und einzelne Pflegeheime stoßen dagegen schneller an ihre Grenzen.

Selbst mit Förderung bleiben die Kosten hoch. Zusätzliche Ausgaben für Einarbeitung, Sprachförderung oder Unterbringung müssten die Einrichtungen oft selbst tragen. "Wirtschaftlich ist das ein Minusgeschäft", sagt eine Einrichtungsleitung. Rekrutiert werde trotzdem, weil langfristig Personal fehle.

Studienautoren fordern einfachere Verfahren

Die Autoren der Studie empfehlen deshalb vereinfachte Förderverfahren speziell für kleinere und mittlere Einrichtungen. Vorgeschlagen werden feste Ansprechpartner bei der Bundesagentur für Arbeit, digitale Antragsverfahren und regionale Mentoring-Programme erfahrener Träger. 

Für die Untersuchung wurden mehr als 300 Leitungskräfte aus ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen befragt. Die Publikation "Ohne Qualifizierungschancengesetz geht es nicht" kann bei Match kostenlos angefordert werden.

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