Damit ausländische Pflegekräfte nicht gleich wieder gehen
Internationale Pflegekräfte lassen sich einer neuen Kurzexpertise zufolge nicht allein mit Sprachkursen und Anerkennungsverfahren im Betrieb halten. Integration gelingt vor allem dort, wo Teams und Führungskräfte auf die neuen Kollegen vorbereitet werden. So das Fazit der Autorinnen, die sich im Auftrag der Initiative Match die Situation in zwei Kliniken und in einer Pflegeeinrichtung genauer angeschaut haben.
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Ausländische Pflegekräfte zu integrieren, bedeutet Arbeit, genauer: Organisationsentwicklung
Nicht nur internationale Pflegekräfte müssen sich auf Deutschland einstellen. Auch die Kollegen in den Einrichtungen müssen lernen, mit sprachlichen, kulturellen und fachlichen Unterschieden umzugehen. Dies ist ein zentrales Resümee der Kurzexpertise der Kulturwissenschaftlerin Lisa Peppler und der Pflege- und Wirtschaftswissenschaftlerin Bouchra Achoumrar.
Die Autorinnen haben dafür auch die Seniorenresidenz St. Peter in Trier-Ehrang der privaten Creatio-Gruppe untersucht. Der Träger betreibt vier stationäre Einrichtungen mit rund 600 Mitarbeitern. Dort kümmert sich ein fünfköpfiges Team zentral um Rekrutierung, Anerkennung und Integration. Das reicht von Behördenkontakten über Erstunterbringung bis zur Karriereplanung. Die Einrichtung vor Ort entlaste das spürbar, sagt die Pflegedienstleitung.
Peppler und Achoumrar sehen genau darin einen Erfolgsfaktor: Integration funktioniert besser, wenn sie nicht nebenbei läuft, sondern organisiert wird. Es sei eine Führungs- und Steuerungsaufgabe.
Teams brauchen Geduld, denn die Einarbeitung braucht Zeit
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Belegschaft in den Häusern. Anfangs gab es Frust in den Teams, weil von den neuen Kollegen teils zu schnell volle Einsatzfähigkeit erwartet wurde. Creatio reagierte mit interkulturellen Schulungen für Führungskräfte und Praxisanleiter sowie mit gemeinsamen Gesprächsrunden. Erst als die Teams merkten, dass sich durch die Fachkräfte aus dem Ausland Dienstpläne stabilisieren und Fachkraftquoten verbessern, stieg die Akzeptanz deutlich.
Die Botschaft der Studie ist klar: Integration scheitert leicht, wenn nur die angeworbenen Kräfte vorbereitet werden. Auch die hiesigen Kollegen brauchen Schulungen – etwa zu Sprache, Pflegekultur und Kommunikationsstilen.
Fünf wichtige Voraussetzungen, damit die Integration gelingt
Zu den wirksamen Bausteinen zählen laut Expertise:
- Mentoren
- strukturierte Einarbeitung
- geschützte Gesprächsräume
- Hilfe bei Wohnung und Behörden
- kontinuierliche Sprachförderung
Die Autoren sind überzeugt: Internationale Rekrutierung füllt nicht automatisch Personallücken. Sie ist langfristig nur erfolgreich, wenn Träger Integration als Organisationsentwicklung begreifen.