Specht-Gruppe gründet "Pflegewohnen im Quartier"
Die Specht-Gruppe hat in der niedersächsischen Gemeinde Stuhr das Haus am Brunnen als erstes Objekt der neuen Marke "Pflegewohnen im Quartier" eröffnet. Drei weitere sind in der Pipeline. Aus der früheren stationären Pflegeeinrichtung entstanden ambulant betreute Demenz-Wohngemeinschaften für 43 Senioren und eine Tagespflege. Die ersten Bewohner sind am 15. Juni eingezogen. Betreiber ist die neu gegründete Gesellschaft Pflegewohnen im Quartier.
Specht-Gruppe
Das "Haus am Brunnen" in Stuhr ist ein Pilot für die Umwandlung einer stationären Einrichtung in eine Wohngemeinschaft
Aus dem früheren Pflegeheim Haus am Brunnen sind kleinere Wohnstrukturen für Menschen mit Demenz geworden. Die Bewohner leben in Wohngemeinschaften und werden rund um die Uhr betreut. Eine angeschlossene Tagespflege ergänzt das Angebot.
Die Specht-Gruppe hatte die Immobilie Anfang der 90er Jahre entwickelt und betrieben. Später verkaufte sie die damalige Betreibergesellschaft an den französischen Pflegekonzern Emeis. Der Standort wurde über Jahre als stationäre Pflegeeinrichtung weitergeführt. Als der Betrieb Ende 2025 eingestellt werden sollte, entschieden sich die Specht-Gruppe und die Eigentümer für eine neue Nutzung.
Bestehenden Standort neu ausgerichtet
"Die Schließung eines etablierten Pflegestandortes erschien uns angesichts des steigenden Bedarfs an Pflege- und Betreuungsangeboten nicht nachvollziehbar", sagt Rolf Specht, geschäftsführender Gesellschafter der Specht-Gruppe. Gemeinsam mit den Eigentümern habe das Unternehmen nach einer tragfähigen Lösung gesucht und die Immobilie neu gedacht.
Das Konzept soll Bewohnern ein selbstbestimmtes Leben in einem familiären Umfeld ermöglichen. Statt einer klassischen stationären Einrichtung setzt das Haus am Brunnen auf ambulant betreute Demenz-Wohngemeinschaften mit überschaubaren Strukturen.
Betrieben wird das Haus von der neu gegründeten Gesellschaft Pflegewohnen im Quartier. Die Geschäftsführung haben Sabine Ammon und Sören Pols übernommen. Pols führt zugleich den Weser Pflegedienst der Specht-Gruppe.
Specht sieht Potenzial in Umnutzung
Für die Specht-Gruppe steht das Projekt für einen neuen Umgang mit bestehenden Pflegeimmobilien. Stationäre Pflegeeinrichtungen blieben nach Einschätzung des Unternehmens auch künftig unverzichtbar, zugleich gewännen alternative Wohn- und Betreuungskonzepte an Bedeutung.
"Wir brauchen mehr Mut, bestehende Immobilien an veränderte Anforderungen anzupassen", sagt Specht. Nicht jede Pflegeimmobilie müsse dauerhaft in ihrer ursprünglichen Form genutzt werden. Das Haus am Brunnen zeige, welches Potenzial in einer Umnutzung stecke. Drei weitere Häuser haben Specht schon in der Pipeline. Weitere Entwicklungsmöglichkeiten würden geprüft.
Auch die Nachhaltigkeit spielt für das Unternehmen eine Rolle. Seit der Gründung 1988 hat die Specht-Gruppe nach eigenen Angaben mehr als 150 Pflege- und Seniorenimmobilien entwickelt. Keine dieser Einrichtungen steht heute leer. "Die nachhaltigste Immobilie ist oft die, die bereits gebaut wurde und weiterhin Menschen dient", sagt Specht.
Unter den Marken Specht Residenzen und Modern Care betreibt die Gruppe derzeit mehr als 20 stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und Senioren-Wohngemeinschaften. Zum Unternehmen gehören außerdem zahlreiche Tagespflegen und rund 600 Seniorenwohnungen in Bremen und Niedersachsen. Mit der Pflegewohnen im Quartier GmbH kommt eine weitere Tochter dazu.
Thomas Hartung