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20. März 2022 | 08:43 Uhr
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Trotz vieler Neubauten kaum mehr Pflegeplätze

In Deutschland sind mehr als 500 Pflegeheime in Bau oder in Planung. Trotzdem ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn auf der anderen Seite sind fast 30 Prozent der Einrichtungen älter als 40 Jahre, viele davon können heutigen Standards nicht gerecht werden und müssen schließen. Unterm Strich bleibt so gerade mal ein Zuwachs von drei Prozent, hat der Datenanalyst Pflegemarkt ausgerechnet. Private Kapitalgeber investieren lieber in Betreutes Wohnen.

Neubau Apartments Balkon Foto iStock Lichtwolke.jpg

Der Neubau von Objekten für Betreutes Wohnen wächst stark, Pflegeheime entstehen zu wenige

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Generalistik verkürzt Integration internationaler Fachkräfte

Die generalistische Anerkennung der Pflegeberufe verbessert die Anerkennung internationaler Fachkräfte. Die Integration von Pflegekräften aus dem Ausland bleibt dennoch ein Hürdenlauf. Der Online-Bildungsträger Lingoda unterstützt dabei mit neuen Konzepten zur generalistischen Anerkennung und weiteren Integrationsmodulen. Der Clou: Dieser Ansatz ist besonders für Pflegeeinrichtungen von Vorteil. Care vor9

Der Pflegesektor in Deutschland hat es schwer. Allein schon durch die demografische Entwicklung und die höhere Lebenserwartung sind in naher Zukunft viel mehr Menschen auf Pflege angewiesen. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2040 eine Million mehr Pflegebedürftige betreut werden müssen als heute. Der Mangel an Pflegekräfte ist dabei nicht die einzige Herausforderung. Wo sollen die zusätzlichen pflegebedürftige Menschen wohnen, ist eine mindestens ebenso dringende Frage?

Der Datenanalyst Pflegemarkt rechnet vor, dass die Zahl der stationären Pflegeplätze bis 2026 nur um drei Prozent steigen wird. 2021 gab es nach den Daten von Pflegemarkt 11.700 Pflegeheime in Deutschland, fünf Jahre später werden es voraussichtlich rund 12.100 sein. Das sind 3,4 Prozent oder 400 Heime mehr – und damit zu wenige.

Alte Pflegeheime schließen

Daran ist nicht allein eine geringe Bautätigkeit in diesem Bereich schuld. Viele bestehende Einrichtungen sind einfach zu alt. Fast 30 Prozent des Baubestands in der stationären Pflege ist älter als 40 Jahre, zeigt die Pflegemarkt-Statistik. Viele dieser Häuser lassen sich nicht mehr an die heutigen Erfordernisse und Vorgaben anpassen und werden wohl über kurz oder lang schließen. Andererseits sind nur zehn Prozent der Heime jünger als zehn Jahre.

Betreutes Wohnen boomt

Aktuell sind laut Pflegemarkt 239 Pflegeheime in Bau, 300 in Planung. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Es ist aber nicht so, dass private Kapitalgeber und Betreiber sich von der Pflege abwenden. Im Gegenteil, sie investieren allerdings zunehmend in alternative Pflegeformen. So boomt das Geschäft mit Betreutem Wohnen. In diesem Bereich sind laut Pflegemarkt 415 Objekte in Bau und mehr als 450 in Planung. Auch Wohngruppen werden für Investoren interessanter, 179 sind hier in Bau, 230 in Planung.

Private investieren in alternative Formen

Deutlich wird der Switch beim Blick auf die fünf baufreudigsten Betreiber. Abgesehen davon, dass die Top Five alle private Unternehmen sind, investieren sie mehr in Betreutes Wohnen und Wohngruppen als in Pflegeheime. Advita Pflegedienst führt die Liste an und kommt auf jeweils 25 Projekte in diesen Betreuungsformen, baut aber nur vier Pflegeheime. Die Schönes Leben Gruppe hat immerhin elf Pflegeheime in der Pipeline, aber ein Dutzend Wohngruppen und neun Objekte für Betreutes Wohnen.

Ambulantisierung der Pflege

Auch die Tagespflege wächst. Mehr als 500 dieser Einrichtungen sind in Bau oder in Planung. Advita alleine hat 23 Tagespflege-Einrichtungen in der Umsetzung. Insgesamt sei die Struktur der baufreudigsten Betreiber ein Spiegelbild auch der "immer weiter zunehmenden Ambulantisierung" der Seniorenbetreuung, so die Pflegemarkt-Analysten und folgern: "Stationäre Konzepte werden dabei vermehrt durch teilstationäre und ambulante Modelle gestützt, um die zu erwartende Anzahl an Pflegebedürftigen auch zukünftig noch adäquat versorgen zu können."

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