Tägliche News für das Management von Pflege und Wohnen im Alter

2. Juni 2026 | 16:28 Uhr
Teilen
Mailen

Viele Pflegebedürftige erhalten keine Zahnvorsorge

Pflegebedürftige haben Anspruch auf besondere zahnärztliche Präventionsleistungen wie einen Mundgesundheitsstatus, einen Mundgesundheitsplan und eine Mundgesundheitsaufklärung. Doch vor allem ambulant versorgte Pflegebedürftige profitieren davon kaum. Das zeigt der neue Zahnreport der Krankenkasse Barmer. Während die Inanspruchnahme in Pflegeheimen deutlich gestiegen ist, stagniert sie bei ambulant Pflegebedürftigen seit Jahren auf niedrigem Niveau.

Zahnprävention klappt am besten in Pflegeheimen, die Kooperationsverträge mit Zahnärzten unterhalten

Von den bei der Barmer versicherten Pflegebedürftigen mit ambulanter Betreuung nahmen 2024 lediglich rund drei Prozent diese Angebote in Anspruch. Bei schwer Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 4 oder 5 lag die Quote zuletzt bei knapp sechs Prozent.

Deutlich besser stellt sich die Situation in Pflegeheimen dar. Dort hat sich die Nutzung der Präventionsleistungen seit 2019 etwa verdoppelt. Im Jahr 2024 erhielten mehr als 25 Prozent der krankenversicherten Heimbewohner bei der Barmer einen Mundgesundheitsstatus samt Mundgesundheitsplan. Rund 80 Prozent dieser Leistungen fanden in Einrichtungen statt, die einen Kooperationsvertrag mit einem Zahnarzt unterhielten. 

Barmer-Chef Christoph Straub leitet aus diesem Zahlenbefund einen klaren Handlungsauftrag ab: "Pflegeheime sollten Kooperationsverträge mit Zahnärzten abschließen." Für viele stationär Pflegebedürftige sei der Besuch einer Zahnarztpraxis kaum möglich, sie sind darauf angewiesen, dass der Zahnarzt zu ihnen kommt.

Relativ gute Versorgung in Berlin, defizitäre Versorgung in Niedersachsen 

Der Report zeigt zudem starke regionale Unterschiede. Während in Berlin fast 46 Prozent der Pflegeheimbewohner Präventionsleistungen erhielten, lag die Quote in Niedersachsen bei knapp 17 Prozent. Auch wenn es in ländlichen Regionen schwieriger ist, Kooperationen zu organisieren, appelliert Straub an die Pflegeheime, die Mühe auf sich zu nehmen. Denn gute Mundgesundheit ist für Pflegebedürftige mehr als eine Frage der Zahnpflege. Probleme im Mund können das Essen und Trinken erschweren und so Mangelernährung, Gewichtsverlust und körperliche Schwäche begünstigen. Prävention dient deshalb auch dem Erhalt von Gesundheit und Lebensqualität.