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11. Januar 2022 | 07:00 Uhr
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W-Lan ist in vielen Pflegeeinrichtungen noch Mangelware

Trotz zunehmender Digitalisierung bleiben viele Bewohner von Pflegeeinrichtungen in Deutschland weiterhin offline. Das zeigt eine Umfrage des Vergleichsportals Verivox unter 20 großen Betreibern von Alten- und Pflegeheimen in Deutschland. Bei der Evangelischen Heimstiftung sind kaum die Hälfte der Häuser mit W-Lan ausgestattet. Allerdings beantworteten nur sechs Betreiber die Frage, ob sie kostenloses W-Lan zur Verfügung stellen, weitere sechs lehnten das explizit ab.

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Die W-Lan-Versorgung in deutschen Pflegeheimen lässt noch zu wünschen übrig

Fünf Anbieter gaben an, mit dem Internetausbau begonnen zu haben, darunter sind vier private. Laut Alloheim-Gruppe würden rund zwei Drittel ihrer Einrichtungen ihren Bewohnern einen W-Lan-Zugang bieten. "Möglichst zeitnah" sollen alle Heime angebunden werden. In der Korian-Gruppe seien 149 der 252 Seniorenheime mit W-Lan ausgestattet; bis zum Jahreswechsel sollten alle Einrichtungen einen Zugang erhalten haben.

Die Deutsche Wohnen gibt den Anteil ihrer mit W-Lan ausgerüsteten Pflegeheime mit "etwa 50 Prozent" an. Die K&S-Gruppe meldet mobiles Internet für alle 35 Häuser, allerdings oft nur in Gemeinschaftsräumen. In einem Viertel der Heime könne das W-Lan auch auf den Zimmern genutzt werden; pro Jahr sollen bis zu zehn Standorte nachgerüstet werden. Als einziger gemeinnütziger Betreiber hat die Evangelische Heimstiftung auf Verivox-Anfrage Angaben zur Internetversorgung gemacht. Demnach stehe derzeit in 31 ihrer 90 Häuser W-Lan zur Verfügung, weitere 15 Heime sollten bis Ende Dezember nachgerüstet worden sei.

Schlechte Internetversorgung im ländlichen Raum ein Problem

Die bisweilen unzureichende Versorgung mit schnellem und stabilem Internet stellt die Betreiber von Seniorenheimen allerdings vor Herausforderungen. So betont etwa eine Alloheim-Sprecherin, dass es insbesondere in ländlichen Regionen schwierig sei, ausreichend Bandbreite für ein flächendeckendes W-Lan in den Zimmern zu erhalten. Hinzu kämen technische Beschränkungen, da die Bandbreite auch im operativen Betrieb des Hauses benötigt werde.

Das Aufsetzen einer digitalen Infrastruktur bedarf umfangreicher Investitionen in den Einrichtungen. Das betrifft nicht nur die Vernetzung von Gebäuden, sondern auch den Einkauf von Serverkapazitäten, Softwarelizenzen und Geräten. Verbände wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen fordern, die Vergabe öffentlicher Gelder an die Schaffung von W-Lan-Zugängen in Senioreneinrichtungen zu koppeln.

W-Lan für Pflegeheime eine große Investition

Die Evangelische Heimstiftung hat nach eigenen Angaben im Jahr 2020 ein W-Lan-Investitionsprogramm in Höhe von sieben Millionen Euro gestartet. Der Stiftung zufolge kostet die komplette W-Lan-Ausstattung einer kleinen Einrichtung inklusive Verkabelung rund 90.000 Euro; mit einer Bauzeit von rund sechs Wochen sei dafür zu rechnen. Für ein großes Haus mit rund 130 Plätzen kalkuliere man mit etwa 270.000 Euro und rund drei Monaten Bauzeit.

"Digitale Teilhabe geht mit sozialer Teilhabe einher", sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. "Ohne Zugang zur digitalen Welt sind Menschen immer öfter aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Wie wertvoll eine Kommunikation über digitale Medien sein kann, hat sich für Senioren insbesondere während des Corona-Lockdowns gezeigt."

Nur sechs von 20 Betreibern antworten zu ihren Plänen

Verivox hatte im August und September deutschlandweit 20 der größten Anbieter von Pflegeheimen in Deutschland angeschrieben und nach ihrer W-Lan-Ausstattung gefragt. Darunter waren drei gemeinnützige und 17 private Anbieter. Nur die fünf eingangs genannten Anbieter haben konkrete Angaben gemacht. Die Schönes-Leben-Gruppe strebt nach eigenen Angaben eine umfassende W-Lan-Versorgung an, hat derzeit aber noch kein Angebot. Die AWO, Bezirk Westliches Westfalen, die Azurit-Hansa-Gruppe, Charleston Holding, Dorea, Emvia Living und Kursana Residenzen lehnten laut Verivox eine Stellungnahme explizit ab. Die verbleibenden acht Anbieter ließen mehrere Anfragen per E-Mail und telefonisch unbeantwortet.

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