Wachstumspläne bei Kursana bleiben vorerst in der Schublade
Die Dussmann-Gruppe ist mit ihrer Tochter Kursana einer der größten privaten Pflegeanbieter in Deutschland. Doch der Vorstandsvorsitzende der Gruppe, Wolf-Dieter Adlhoch (Foto), hat derzeit keine große Lust, im Senioren-Business weiter zu investieren. Ein Unternehmen müsse auch Spaß machen, und das lösen die Zahlen derzeit wohl nicht aus. Wachstumspläne liegen in der Schublade, so Adlhoch auf Nachfrage von Care vor9. Dort bleiben sie auch, bis die Politik berechenbare Rahmenbedingungen schafft.
Dussmann Group
Investitionen in die Pflege machen derzeit keinen Spaß, sagt Dussmann-Chef Wolf-Dieter Adlhoch, weshalb sie in der Schublade bleiben
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Kursana betreibt derzeit bundesweit 95 Senioreneinrichtungen mit fast 11.000 Plätzen. Damit erzielte das Familienunternehmen einen Umsatz von 555 Millionen Euro, was einem leichten Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Laut Adlhoch ist das Umsatzwachstum im Wesentlichen auf eine leicht gestiegene Auslastung und Pflegesatzerhöhungen zurückzuführen. Kursana konzentriert sich nun ganz auf Deutschland. Der Betrieb der letzten Seniorenresidenz in Österreich wurde im April 2025 eingestellt.
Der Pflegeanteil am Gesamtumsatz des Konzerns von 3,4 Milliarden Euro beträgt 16 Prozent. Das könnte durchaus mehr sein, deutet Adlhoch an. "Es ist aber nach wie vor so, dass wir keine Perspektive haben, um einen großen Wachstumskurs einzuleiten." Kostensteigerungen seien ein Grund, politische Unsicherheit ein anderer.
"Wenn wir sehen, dass in Deutschland mehr Pflegeplätze benötigt werden, dann müssen die Rahmenbedingungen so geändert werden, dass Unternehmen, die betriebswirtschaftlich arbeiten, auch Spaß daran haben", sagt der Dussmann-Chef. "Spaß heißt nicht, dass wir die Rendite maximieren wollen, aber wenn ich überhaupt nichts mehr verdiene, dann eröffnet eben niemand neue Häuser."
"Wir haben einen Wachstumsplan in der Schublade, wir haben viele gute Ideen, viele geeignete Standorte, eine hochmotivierte Truppe", so Adlhoch weiter. Man brauche jedoch verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Politik für mehrere Jahre. "Wir wären auch bereit, akquisitorisch weitere Häuser dazuzukaufen. Aber das hängt eben davon ab, dass die Politik privaten Unternehmen in Deutschland das Signal gibt, dass der Bau und Betrieb von Pflegeplätzen erwünscht ist. Diesen Eindruck haben wir im Moment nicht in ausreichendem Maße."
Thomas Hartung
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