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6. April 2022 | 07:00 Uhr
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Wenn die Pflegedienstleitung wegen Corona-Maßnahmen kündigt

Eine Kündigung, die Aufsehen erregt: "Ich möchte kein Teil mehr von diesem Gesundheitswesen sein", schreibt eine Pflegedienstleiterin, die unter den aktuellen Corona-Verschriften nicht mehr arbeiten will. Sie kritisiert, dass Bewohner ohne Symptome in ihren Zimmern isoliert werden müssten. Am schlimmsten sei, dass Bewohner, die "sich mit Corona infiziert haben und im Sterben liegen, nicht von ihren Angehörigen begleitet werden dürfen". Ihre Chefin macht den Fall öffentlich.

Kündigung Quadrat Foto iStock Stadtratte

Die Kündigung der Pflegeleitung verursachte großen Wirbel

Das Kündigungsschreiben ist noch ganz frisch. Am vergangenen Freitag lag es bei der Leiterin des Seniorenheims in Bad Doberan auf dem Tisch. Sandra Hirsack ist fassungslos und traurig, dass ihre Pflegedienstleitung nach acht Jahren aufgibt, weil sie die derzeitigen Corona-Vorschriften nicht mehr mittragen will. Hirsack sagt: "Ich möchte nicht mehr länger meinen Mund halten" und postet das anonymisierte Kündigungsschreiben auf ihrem Facebook-Account und dem des Seniorenheims. Mit dem Einverständnis der kündigenden Pflegeleitung hat sie es auch an die Gesundheitsministerin des Landes, Stefanie Drese, den Landrat, die Heimaufsicht und das Gesundheitsamt weitergeleitet.

Die Ostsee-Zeitung hat den Fall aufgegriffen und mit Jolanta Armbrecht gesprochen. Sie ist die Geschäftsführerin des Trägers des Pflegeheims, der Volkssolidarität Bad Doberan / Rostock-Land, und stößt ins selbe Horn wie Hirsack: "Es ist leider nicht die erste durch die Politik verursachte Kündigung und auch nicht die letzte." Sie beklagt, dass Pflegekräfte "mit Herz und Verstand" den Beruf verließen und die verbleibenden zunehmend an den Umständen verzweifelten. Von der Politik fordert Armbrecht gegenüber der Zeitung ein Umdenken, denn der Personalmangel werde eben durch die Politik verschärft, unter anderem durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht.

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese lässt sich von der Kündigung wenig beeindrucken und hält an der Impfpflicht fest, schreibt die Ostsee-Zeitung. Sie argumentiert mit deutlich leichteren Verläufen bei geimpften hochbetagten, multimorbiden Personen und einer geringeren Zahl von erforderlichen Krankenhaus- oder gar Intensivstation-Aufenthalten. Die Impfpflicht sei ein wichtiger Baustein für einen bestmöglichen Schutz von älteren und vorerkrankten Menschen. Und Drese sagt zwischen den Zeilen, was sie erwartet: "Es sei bedauerlich, dass gute und engagierte Pflegekräfte diese Einschätzung nicht teilten."

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