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19. April 2026 | 13:34 Uhr
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AWO verbucht Erfolge mit spezieller Demenz-Therapie

Mehr Bewegung, mehr Austausch, mehr Selbstvertrauen: Die AWO Karlsruhe setzt in allen sechs Seniorenzentren auf ein strukturiertes Therapieprogramm namens Maks für Menschen mit Demenz – mit spürbaren Effekten. Das Konzept verbindet Aktivierung von Körper und Geist mit sozialem Miteinander. Erste Erfahrungen zeigen: Selbst zurückgezogene Bewohner gewinnen wieder Zutrauen und beteiligen sich am Alltag.

Zwei Stunden dauern die Sessions, die jedes Mal mit einem Stuhlkreis beginnen

Die sogenannte Maks-Therapie ist ein multimodales Aktivierungsprogramm für Menschen mit Demenz. Der Name steht für die vier zentralen Bausteine: Motorik, Alltagspraktik, Kognition und soziale Aktivierung. Es soll helfen, Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und Lebensqualität zu steigern – nicht durch Medikamente, sondern durch strukturierte Förderung im Alltag.

In den Einrichtungen der AWO Karlsruhe ist das Konzept inzwischen fest etabliert. Alle sechs Seniorenzentren arbeiten damit und betrachtet es als integralen Bestandteil der Betreuung. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie läuft eine Einheit konkret ab?

Eine Maks-Einheit dauert rund zwei Stunden und folgt einem festen Ablauf. Genau diese Struktur ist entscheidend, weil sie Menschen mit Demenz Orientierung gibt.

  • Einstieg im Stuhlkreis: gemeinsames Gespräch, Gedichte oder vertraute Themen
  • Bewegungsphase: etwa Sitztanz oder einfache Spiele
  • Raumwechsel nach einer Stunde: bewusst gesetzter Impuls für neue Aufmerksamkeit
  • kognitiver Teil: Rätsel, Denkaufgaben, "Gehirnjogging"
  • alltagspraktische Übungen: etwa Kochen, Gärtnern oder einfache Tätigkeiten

Dieser Mix sorgt dafür, dass verschiedene Fähigkeiten gleichzeitig angesprochen werden – körperlich, geistig und sozial.

Wie wirkt das in der Praxis?

Ein Beispiel aus dem Alltag macht die Wirkung greifbar: Ein Bewohner, der anfangs zögerte, überhaupt einen Stift in die Hand zu nehmen – aus Angst, Fehler zu machen –, beteiligt sich nach einigen Wochen aktiv an Worträtseln. Er löst Aufgaben eigenständig und mit sichtbarer Freude.

Solche Entwicklungen sind kein Einzelfall. Betreuungskräfte berichten über:

  • mehr Konzentration: Aufgaben werden länger durchgehalten
  • mehr Ausdauer: weniger Abbrüche bei Aktivitäten
  • mehr Motivation: wachsende Vorfreude auf die Einheiten
  • mehr Kommunikation: Bewohner helfen sich gegenseitig

Gerade der soziale Aspekt ist zentral: Viele Aufgaben werden gemeinsam gelöst. So entsteht ein wichtiger Gegenpol zur Isolation, die Demenz häufig mit sich bringt.

Wo liegen die Grenzen?

Die Therapie wirkt nicht bei allen gleichermaßen. Bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz zeigen sich schneller Unruhe oder Abbruchverhalten. Hier braucht es Geduld, Erfahrung und individuelle Anpassung.

Trotzdem zeigt sich: bei einem großen Teil der Teilnehmer verbessert sich – so zumindest die Beobachtungen – die Lebensqualität. Die Verbesserungen sind nicht spektakulär, oft "klein, aber entscheidend", heißt es bei der AWO. 

Was ist der Nutzen – auch aus Managementsicht?

Der größte Mehrwert liegt in der Stabilisierung von Fähigkeiten und der Aktivierung der Bewohner. Das hat mehrere Effekte:

  • weniger Rückzug und Passivität
  • bessere Einbindung in den Alltag
  • mehr soziale Interaktion
  • potenziell geringerer Betreuungsaufwand bei Verhaltensauffälligkeiten

Für Einrichtungen bedeutet das: strukturierte Aktivierung statt reiner Versorgung – ein Ansatz, der auch die Qualität der Betreuung sichtbar macht.

Welcher Aufwand steckt dahinter?

Die Einführung ist kein Selbstläufer. Einrichtungen müssen investieren:

  • Mitarbeiterschulung: Ausbildung zu Maks-Therapeuten (teils durch Pflegekassen gefördert)
  • Zeitressourcen: zwei Stunden pro Einheit plus Vorbereitung
  • Organisation: feste Gruppen, geeignete Räume, strukturierter Ablauf

Hinzu kommt der Aufwand, das Konzept im Alltag konsequent umzusetzen.

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