Damit Social-Media-Botschafter am Ball bleiben
Authentische Einblicke statt Hochglanzkampagnen: Immer mehr Pflegeanbieter denken darüber nach, eigene Mitarbeiter als Social-Media-Botschafter einzusetzen. Die Sorge vor Kontrollverlust ist dabei meistens unbegründet – entscheidend sind eine klare Einbindung in die Unternehmenskommunikation und verlässliche Rahmenbedingungen, was Arbeitszeiten oder Benefits betrifft.
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Die Euphorie ist am Anfang oft groß, aber wenn junge Social-Media-Botschafter keinerlei Anerkennung erhalten, stellt sich schnell Frust ein
Ob "Influencer" oder treffender "Corporate Influencer" beziehungsweise Social-Media-Botschafter: Die Idee, Mitarbeiter selbst Einblicke in den Pflegealltag geben zu lassen, gewinnt an Bedeutung. Sie erreichen Zielgruppen direkter, wirken glaubwürdiger und zahlen auf das Arbeitgeberimage ein.
Die Angst, Inhalte könnten unkontrolliert veröffentlicht werden, greift zu kurz laut Experten wie Lothar Winnen und Henning Tirrel, die kürzlich für den Bundesverband diakonischer Einrichtungsträger (V3D) eine qualitative Befragung zum Online-Recruiting durchgeführt haben. In der Praxis werden Beiträge eng mit der Kommunikationsabteilung oder der Geschäftsleitung abgestimmt.
Ohne Anreize hören die jungen Pflege-Botschafter bald wieder auf
Die Schwierigkeiten liegen woanders: Zeit, Vergütung und Organisation. Wer regelmäßig Inhalte produziert, fehlt zeitweise im Dienst. Deshalb muss geklärt werden, ob diese Tätigkeit als Arbeitszeit gilt, wie Freistellungen organisiert werden und ob es zusätzliche Anreize gibt. Ohne klare Regeln droht Frust – etwa wenn Engagement als selbstverständlich angesehen wird. Winnen haben das schon oft beobachtet: Junge Mitarbeiter beginnen euphorisch, verlieren aber mit der Zeit die Lust, weil sie wenig zurückbekommen.
Erfolgversprechender ist, wenn Mitarbeiter begleitet werden – etwa durch Schulungen, gemeinsame Drehtage oder Profi-Unterstützung. Auch die Frage, ob Beschäftigte nur vor der Kamera stehen oder selbst Inhalte produzieren, sollte vorab geklärt werden. Besonders Auszubildende lassen sich häufig für die eigene Content-Produktion gewinnen.
Kirsten Gaede