Hohe Krankheitsausfälle jetzt auch Thema in der Koalition
Union und SPD prüfen offenbar Einschnitte beim Krankengeld: Kürzere Lohnfortzahlung, Karenztag und strengere Regeln sind im Gespräch. Hintergrund sind hohe Fehlzeiten. Die Altenpflege ist besonders betroffen: Hier sind Krankheitsausfälle so häufig wie in keiner anderen Branche, Beschäftigte fehlen im Schnitt rund 38 Tage pro Jahr. Manch ein Pflegeunternehmen gerät durch die hohen Krankenstände in wirtschaftliche Schieflage.
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Wegen Tätigkeiten wie Heben und Umlagern zählen Rückenschmerzen zu den häufigsten Gründen für Krankheitsausfälle in der Altenpflege
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Union und SPD prüfen laut Welt zurzeit mehrere Einschnitte, um Fehlzeiten zu reduzieren und die Kosten zu senken. Im Gespräch sind eine Verkürzung der sechswöchigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie die Wiedereinführung eines Karenztags, bei dem Beschäftigte am ersten Krankheitstag kein Gehalt erhalten.
Auch eine Begrenzung der Lohnfortzahlung auf einen Fall pro Jahr steht offenbar zur Debatte. Danach würde bei erneuter Erkrankung schneller das niedrigere Krankengeld greifen. Offiziell bestätigt ist bislang nichts, doch der Handlungsdruck wächst: Deutschland weist im europäischen Vergleich besonders hohe Krankenstände auf.
Für die Altenpflege ist das Thema besonders brisant. Kaum eine Berufsgruppe verzeichnet so viele Ausfalltage. Laut Gesundheitsreport des BKK-Dachverbands waren Beschäftigte 2024 im Schnitt an knapp 39 Tagen arbeitsunfähig gemeldet. Pflegehilfskräfte lagen sogar bei rund 40 Tagen, Fachkräfte bei etwa 36.
Digitalisierung und Springerpools helfen gegen hohen Krankenstand
Die Ursachen sind seit Jahren bekannt: körperlich belastende Tätigkeiten wie Heben und Umlagern, psychischer Druck im Umgang mit schwerkranken Menschen sowie Schichtarbeit und Personalmangel. Hinzu kommen organisatorische Defizite. Experten wie Joachim Görtz, der beim Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) die Stabsstelle Betriebliche Gesundheitsförderung leitet, sehen deshalb nicht nur finanzielle, sondern vor allem strukturelle Hebel. Studien zeigen, dass eine bessere Organisation, etwa durch Digitalisierung oder Springerpools, den Krankenstand senken kann. Hilfreich ist auch, wenn Pflegeunternehmen ihren Mitarbeitern Unterstützung im Umgang mit belastenden Situationen anbieten.