Drei Dos and Don'ts für die Biografiearbeit
Für die Pflegewissenschaftlerin Angelika Zegelin ist sie das Herz der Altenpflege: die Biografiearbeit. Doch in den Einrichtungen verliere diese pflegefachliche Methode an Bedeutung, bedauert die ehemalige Krankenschwester. Das sei schade, denn sie könne das Wohlbefinden der Bewohner steigern. Wichtig sei, der Biografie Raum im Alltag zu geben, statt den Bewohner mit einem Fragenkatalog zu konfrontieren. Zegelin erklärt, was genau das bedeutet.
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Fotos sind ein guter Anknüpfungspunkt in der Biografiearbeit
1. Die SIS ist kein Ersatz für die Biografiearbeit
Die Strukturierte Informationssammlung, kurz SIS, ist eine Kurzanamnese, es geht unter anderem um kognitive Fähigkeiten, Mobilität, krankheitsbedingte Einschränkungen, Gewohnheiten und den Tagesablauf. Seit ihrer Einführung vor rund zehn Jahren setze sich mehr und mehr die Auffassung durch, mit der SIS sei die Biografiearbeit erledigt, meint Zegelin. Doch es geht um viel mehr als das Körperliche. Im Zentrum steht, was ein Mensch in seinem Leben gemacht hat: Welchen Beruf er hatte, welche Interessen, wohin er in den Urlaub gefahren ist, wie er sein Leben gestaltet hat und so weiter.
2. Biografiearbeit ist in Alltagssituationen eingebettet
"Für Biografiearbeit ist Vertrauen nötig. Die Pflegekraft wartet auf Situation oder schafft Situationen, in denen sie an Biografisches anknüpfen kann. Auslöser können ein besonders schönes Kleid im Schrank sein, ein Buch im Regal oder ein Foto an der Wand", sagt Zegelin. "Das geht nicht mit der Brechstange."
3. Biografiearbeit niemals mit Fragebogen
Die Dortmunder Pflegewissenschaftlerin beobachtet, dass Pflege- oder Betreuungskräfte immer häufiger Fragebögen aus dem Internet für die Biografiearbeit heranziehen. "Die Fragen, die da gestellt werden, haben nichts mit Biografiearbeit zu tun", sagt sie. Da werden Dinge gefragt wie: Wie schätzen Sie Ihre Ehe ein? Können Sie sich an Ihren ersten Kuss erinnern? "Diese Fragen stammen aus ganz anderen Kontexten, aus der Frauenarbeit etwa, oder der Arbeit mit Häftlingen. In der Altenpflege sind diese Fragen einfach nicht angemessen, schlicht respektlos. Manchmal wird auch gefragt, ob in der Kindheit zu Hause gebetet wurde und was es zu essen gab. Bei der Biografiearbeit geht es um die Dinge, an die er sich gern erinnert. Es ist keine Psychotherapie", so Zegelin.
Kirsten Gaede