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1. Februar 2026 | 19:49 Uhr
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Pflegedienste sollten bei Badrenovierungen beraten

Wie sollten Bäder gestaltet sein, die barrierefrei sind, und in denen Pflegekräfte außerdem gut arbeiten können? Auf diese Frage geht Thomas Meißner vom Berliner Pflegedienst-Verband AVG in einem Interview mit der "Aktion barrierefreies Bad" ein, die unter der Schirmherrschaft des Bundesbauministeriums steht. Er empfiehlt ambulanten Diensten in jedem Fall bei anstehenden Renovierungen die Klienten auf typische Pflegesituationen aufmerksam zu machen – auch, damit Umbauten später nicht nachgebessert werden müssen.

Sehr hübsch, sehr elegant und für eine bestimmte Lebensphase durchaus geeignet – aber sicherlich nicht fürs Alter   

Bäder allein für Pflegebedürftige oder Menschen mit Behinderungen zu planen, hält der Pflegeexperte Meißner für überholt. Wohnraum müsse so gestaltet sein, dass er sehr unterschiedlichen Nutzern und Lebensabschnitten gerecht wird. Bedürfnisse änderten sich, ebenso die Art, wie Menschen ihr Bad nutzen. "Flexible Grundrisse sind deshalb wichtiger als starre Konzepte", sagt Meißner.

Zu den baulichen Mindestanforderungen zählt der Pflegeexperte eine Türbreite von mindestens 90 Zentimetern. Schmale Türen werden spätestens mit Rollator, Rollstuhl oder Begleitperson zum Hindernis. Rutschhemmende Böden, gut erreichbare Armaturen und Spiegel für unterschiedliche Körpergrößen gehören ebenso dazu. Eine funktionierende Be- und Entlüftung ist unverzichtbar, um Schimmel zu vermeiden und Auskühlung zu verhindern. 

Frühzeitig an spätere Anforderungen wie Lifter und Notrufsysteme denken

Bei Umbauten rät Meißner, frühzeitig an spätere Anforderungen zu denken. "Verstärkungen in Wänden für Haltegriffe oder Decken für Lifter lassen sich nachträglich nur mit großem Aufwand einbauen", sagt der Inhaber eines Pflegedienstes in Alt-Biesdorf in Berlin. Auch Materialwahl und Hygiene spielen eine Rolle. Leicht zu reinigende Oberflächen und langlebige Fugen entlasten Menschen mit eingeschränkter Mobilität ebenso wie Pflegekräfte. Hinzu kommt die technische Vorbereitung für Notrufsysteme, Sensorik und Smart-Home-Lösungen.

Aus Sicht ambulanter Dienste ist das Bad nicht nur Lebens-, sondern auch Arbeitsraum. Je schlechter es geplant ist, desto höher sind körperliche Belastung und Zeitaufwand, sagt Meißner. "Enge Bestandsbäder, nach innen öffnende Türen oder fehlende Ablageflächen erschweren Transfers und Pflegehandlungen. Ein gut geplantes Bad mit ausreichend Bewegungsfläche, ebenerdiger Dusche und sinnvollen Haltemöglichkeiten mache Pflege sicherer und würdevoller."

Flexible Möbel haben große Vorteile

Eine Balance zwischen Sicherheit, Arbeitsfähigkeit und Wohlfühlen hält Meißner für entscheidend. Funktionalität darf nicht gegen Atmosphäre ausgespielt werden. Flexible Möbel sind beispielsweise zu empfehlen, weil sie helfen, die Intimsphäre zu wahren, und es Pflegekräften erleichtern, den Patienten zu unterstützen. 

Bei der Planung sieht Meißner ambulante Pflegedienste in einer wichtigen Rolle. Sie kennen typische Probleme aus dem Alltag und könnten informell beraten, wenn Renovierungen anstehen. Gemeinsam mit Wohnberatung und Handwerk lässt sich vor Ort klären, welche Lösungen realistisch und vorausschauend sind. So kann eine geplante Badmodernisierung gleich in die richtige Richtung gehen.

Finanziell bleibe ein Spannungsfeld. Zuschüsse deckten Umbauten oft nicht vollständig ab. Umso wichtiger ist es, so Meißner, Prioritäten zu setzen. Es lohnt sich oft frühzeitig zu investieren, weil das später mehr Handlungsspielraum ermöglicht. 

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